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Presse: So klappt es definitiv nicht!

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Umgang mit der Presse
Pressearbeit will gekonnt sein. Erfahren Sie in diesem Artikel wie Sie mit der Presse definitiv nicht umgehen sollten.

Der Wandel von Printmedien zu Digitalmedien ist schon längst im Gange. Schon lange nehmen die Reichweiten vieler Tageszeitungen und Fachzeitschriften ab, da der Trend zu Onlinemedien permanent zunimmt. Nicht mehr ins Geschäft laufen, eine Zeitschrift kaufen, sondern bequem auf dem heimischen Computer, dem Tablet oder Smartphone über News informiert werden, das ist zumindest der Trend der Zukunft. Doch dieser Wandel birgt nicht nur Vorteile, sondern bringt leider auch viele Nachteile mit sich. Der Axel-Springer-Verlag hat im 4. Quartal 2015 eine Adblocker-Sperre eingeführt, die verhindert, dass man mittels eines Adblockers die Werbeanzeigen auf Bild.de nicht mehr sieht, diese Aktion war ein voller Erfolg.

Der Journalismus im Onlinebereich funktioniert anders als im Printbereich

Die Arbeit im Online-Journalismus ist schwieriger geworden, als im Printbereich. Hintergrund ist, dass Fehler viel schneller und härter bestraft werden können, als es früher der Fall war. Während es früher in verschiedenen Redaktionen Gang und Gäbe war, auch mal eine gute Pressemitteilung von seriösen Agenturen mehr oder weniger 1:1 abzudrucken, wäre diese Vorgehensweise im Onlinebereich ein Fehler, der nachgelagert schlimme Auswirkungen haben könnte. Hintergrund ist, dass nahezu jede Website, jeder Blog, jedes Onlinemedium auf den Branchenprimus Google angewiesen ist und die Suchmaschine ein Problem mit Doppeltem Content hat. Als doppelten Content bezeichnet man Berichte, die 1:1 auf mehreren Seiten vorhanden sind. Kommt sowas häufiger vor, führt dies früher oder später zwangsläufig zu Abstrafungen in der Suchmaschine. Dies kann damit anfangen, dass einzelne Unterseiten nicht mehr im Index der Suchmaschine erscheinen und irgendwann soweit gehen, dass unter Umständen eine gesamte Website nicht mehr bei Google gelistet wird, wenn es zu häufig zu Duplicate Content kommt.

So arbeiten viele PR Agenturen:

Als Kunde von PR Agenturen werden einem häufig Versprechungen gemacht, die jedoch weder förderlich, noch zielführend sind. Leider gehen viele PR Agenturen so vor, dass ein Text in Form einer Pressemitteilung über ein Unternehmen erstellt wird. Diese Pressemitteilung wird dann hin und wieder mit Bildern oder anderen Daten, wie zum Beispiel dem Logo des Unternehmens versehen. Anschließend wird eine E-Mail mit der Pressemeldung an sämtliche Verlage und Onlinemedien verschickt, die in einem E-Mailverteiler stehen.

Diese Leistungen lassen sich PR-Agenturen dann häufig fürstlich entlohnen, doch die oben beschriebene Vorgehensweise führt nur in ganz, ganz seltenen Fällen zum Erfolg!

Mehrwerte für den Leser schaffen

Wer langfristig eine große Leserschaft haben möchte, muss Mehrwerte für den Leser schaffen, nur so haben Leser einen Grund das eigene Medium immer wieder zu besuchen. Ein Mehrwert kann jedoch nicht geschaffen werden, wenn permanent oder zumindest immer wieder einfach Pressemeldungen 1:1 veröffentlicht werden, die ohne neue Informationen bereits auf zig anderen Seiten online veröffentlicht wurden. Dazu gehört wesentlich mehr und erfordert neben Hirnschmalz auch einen Haufen Zeit, denn kein guter Artikel schreibt sich von alleine, sondern erfordert die Arbeitszeit eines Journalisten, der sich auch Gedanken zu der Thematik macht und einen Rechercheaufwand nicht scheut.

Recherchen vor der Berichterstattung
Recherchen vor der Berichterstattung sind für guten Journalismus unabdingbar.

Journalismus wird zunehmend schwieriger

Guter Journalismus wird zunehmend schwieriger, da der Aufwand häufig nicht mehr geschätzt wird und Adblocker es den Verlagen und Onlinemedien nicht einfacher machen, entsprechende Einnahmen zu erzielen. Journalismus wurde auch in der Vergangenheit, also zurzeit, als Printmedien noch richtig boomten zum größten Teil durch Werbung finanziert. In jeder Tageszeitung oder Zeitschrift waren haufenweise Anzeigen zu sehen, für die Unternehmen teils richtig tief in die Tasche greifen mussten. Doch auch für den Onlinebereich entstehen Kosten, die gedeckt werden müssen. Kein Verlag der Welt kann gewinnbringend arbeiten, wenn er keine Einnahmen durch Werbung generiert. Die einzige Ausnahme ist, wenn der Leser ein Abo erwerben muss, um den Inhalt lesen zu können. Daher ist der eingeschlagene Weg der Bildzeitung durchaus nachvollziehbar.

Journalismus ist Arbeit und sollte auch als solche angesehen und geschätzt werden

Die Wertschätzung für guten Journalismus gerät immer mehr in den Hintergrund, denn es handelt sich ja „nur“ um ein Onlinemedium. Was hintendran steckt, sehen jedoch die wenigsten Menschen. Denn auch hier muss jeder Beitrag vernünftig recherchiert und verfasst werden, es muss ein sehr umfangreiches und kostenintensives Marketing betrieben werden. Die Journalisten können auch nicht von Luft und Liebe leben, sondern haben häufig eine Familie zu ernähren. Die Server wollen bezahlt und gewartet werden, das System ist weiterzuentwickeln und vieles mehr. Auch Steuerberater, Programmierer und Co. möchten Geld für ihre Leistungen. Dazu kommen natürlich noch viele weitere Kosten, die nicht gesondert aufgeführt werden.

Zeit ist Geld
Zeit ist Geld, das gilt auch für den Journalismus.

Selbst die Veröffentlichung von einem fertigen Artikel nimmt Zeit in Anspruch und ist nicht innerhalb von 10 Minuten erledigt. All diese Aspekte geraten viel zu häufig in Vergessenheit und werden nicht entsprechend geschätzt.

Was Sie im Umgang mit der Presse und Onlinemedien niemals machen sollten:

Jedes bekanntere Onlinemedium erhält pro Tag etliche Pressemittelungen, die auch gut und gerne mal im hohen zweistelligen oder gar dreistelligen Bereich liegen können. Eine solche Pressemittelung zu lesen erfordert tatsächlich einiges an Zeit. Multipliziert man die Zeit mit der Anzahl der Pressemeldungen, die pro Tag per E-Mail eintreffen, wäre ein Person mehrere Stunden beschäftigt, um die Mittelungen von einem Tag zu bearbeiten, ohne den Artikel umgeschrieben oder veröffentlich zu haben.

Diese Punkte sollte jeder im Umgang mit der Presse oder Onlinemedien beachten:

  • Schicken Sie niemals mehrfach die gleiche Pressemitteilung
  • Setzen Sie niemals voraus, dass eine Pressemitteilung veröffentlicht wird
  • Verzichten Sie auf Nachfragen, ob die Pressemitteilung angekommen ist
  • Unterlassen Sie Nachfragen per E-Mail oder Telefon, warum die Pressemittelung nicht veröffentlicht wurde
  • Versuchen Sie nicht Werbung für das eigene Unternehmen in einer Pressemittelung zu verpacken
  • Seien Sie zuverlässig im Umgang mit Journalisten und geraten Sie nicht in zeitlichen Verzug, wenn es Absprachen gibt
  • Arbeiten Sie niemals mit unseriösen PR-Agenturen (von denen es leider auch in den Augen der Kollegen viel zu viele gibt) zusammen, sondern nur mit solchen, die nicht wie oben beschrieben sondern tatsächlich seriös arbeiten
  • Arroganz ist fehl am Platz: Sie möchten etwas erreichen, der Journalist ist niemals auf Sie angewiesen, sondern Sie auf den Journalisten
  • Zeit ist Geld, auch im Journalismus. Stehlen Sie einem Journalisten also niemals unnötig Zeit, sondern fokussieren Sie sich auf wesentliche Punkte
  • Seien Sie ehrlich im Umgang mit Journalisten, denn Lügen haben kurze Beine und kommen früher oder später heraus

Content Marketing die Pressearbeit der Zukunft?

Seit einigen Jahren drängen immer mehr Agenturen in den Markt, die sich mit Content Marketing beschäftigen. Sind diese Agenturen für die Pressearbeit der Zukunft verantwortlich? Gut möglich, denn der Arbeitsansatz ist ein anderer, als der klassischer PR-Agenturen. Hier werden Artikel gezielt und einzeln auf die Bedürfnisse der Medien vorbereitet und meistens auch als „Unique Content“ geliefert. Der Arbeitsaufwand für das Magazin oder Pressemedium nimmt rapide ab und führt zu einer weitaus höheren Veröffentlichungswahrscheinlichkeit. Seriöse und gut arbeitende Content-Marketing-Agenturen pflegen heute oftmals einen wesentlich besseren Kontakt zur Presse, als es PR-Agenturen tun. Selbstverständlich gibt es auch im Bereich der Content-Marketing-Agenturen einige schwarze Schafe auf dem Markt, die nicht seriös arbeiten, das sollte nicht unerwähnt bleiben.

Fazit:

Nicht alle PR-Agenturen arbeiten wie oben beschrieben, doch leider sehr viele. Das ist nicht förderlich für das Ansehen Ihres Unternehmens und kann gar zu einem schlechten Eindruck bei Journalisten führen und wer möchte schon Negativ-PR für das eigene Unternehmen? Auch auf den Einsatz von Presseverteilern, bei denen Sie für ein Paar Euro hunderte Pressemittelungen verschicken können, sollten Sie verzichten! Denn bei seriösen Verlagen kommt sowas überhaupt nicht gut an. Eine Vorgehensweise die bei einem Verlag zum Erfolg führt, muss nicht zwangsläufig bei anderen Verlagen ebenfalls funktionieren. Doch in vielen Verlagen gibt es heute eine „Blacklist“. Haben Sie es durch schlechten Umgang mit Journalisten oder durch schlechte Pressemitteilungen auf eine solche Liste geschafft, dürfte es ausgesprochen schwierig werden, dort wieder runter zu kommen, doch damit nicht genug, wer auf einer solchen „schwarzen Liste“ steht, wird garantiert keine positive Berichterstattung zu erwarten haben. Daher betreiben Sie nur hochwertige Pressearbeit, die bei Verlagen gut ankommt und überlegen Sie vorher welche Agentur Sie mit dieser wichtigen Aufgabe beauftragen.

Startups
Auch Existenzgründer und Startups sollten wissen, wie man mit der Presse umgeht.

Diese gesamten Informationen gelten natürlich nicht nur für gestandene Unternehmen, sondern auch für Existenzgründer und Startups, bei denen es ein beliebter Trend ist, mittels Pressemittelungen auf sich aufmerksam machen zu wollen. Doch die Gründerszene befindet sich in einem großen Wachstum und neben Ihnen setzen noch viele andere Gründer und Startups auf diese Schiene.

3 KOMMENTARE

  1. Hervorragender Beitrag von Euch! Ich als freier Journalist kenne genau dieses Problem sehr gut! Ich werde immer wieder zugemüllt mit Pressemitteilungen, die an tausende E-Mailadressen geschickt werden. Früher hatte man Angst, seine Handynummer rauszugeben, weil man als Journalist immer wieder belästigt wurde, heute hat man schon fast Angst die E-Mailadresse herauszugeben, denn die Flut an Pressemitteilungen nimmt immer weiter zu.

    Liebe Grüße
    Patrick

  2. Das ist ein tatsächliches Problem vor dem wir in Deutschland stehen. Auch im Internet ist nicht alles kostenfrei, ganz im Gegenteil es entstehen auch Kosten, die gedeckt werden müssen. Findet hier nicht ein Umdenken der Bundesbürger statt, werden wir uns ganz bald schon böse umschauen!

    Wie im Artikel richtig geschrieben, haben viele der PR Agenturen schon lange keine Daseinsberechtigung mehr. Normal müsste wirklich jeder Journalist die E-Mailfilter so einstellen, dass E-Mails, die das Wort „Pressemitteilung“ oder „Pressemeldung“ enthalten, automatisch in den Papierkorb wandern.

    Toller Artikel und ganz lieben Dank für die vielen Denkanstöße. 🙂

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