Start Online Marketing Sind Fake-Testseiten erlaubt? Was sagen Anwälte?

Sind Fake-Testseiten erlaubt? Was sagen Anwälte?

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Fake Testseiten

Diese Frage beschäftigte zahlreiche Nischenseitenbetreiber in verschiedenen Gruppen. Immer wieder kam die Frage auf, ob eine Domain xxx-test.de genannt werden darf oder nicht. Auch wurde immer wieder gefragt, ob man tatsächlich selbst getestet haben muss, wenn man mit einem Test wirbt und welche rechtlichen Bedingungen womöglich daran geknüpft sind. – Dazu haben wir gemeinsam mit Rechtsanwalt Christian Solmecke von der Kanzlei WBS aus Köln ein Video zu dem Thema gemacht. Er hat sich auf die rechtliche Beratung der IT- und Internetbranche  spezialisiert und wird daher von uns gerne als Experte für juristische Fragen hinzugezogen.

Was sind eigentlich Nischenseiten

Das Thema Nischenseiten möchten wir an dieser Stelle nur kurz anreißen, damit Branchenfremde wissen, worum es sich überhaupt dreht. Nischenseiten sind meistens kleine Websiten, die aus einer überschaubaren Anzahl an Seiten zu einer Produktgruppe erstellt werden. Dabei geht es darum Besucher auf die eigene Nischenseite zu locken, um ihnen dann verschiedene Produkte aus der Produktgruppe zu präsentieren und Interessenten dann zum Kauf zu verleiten. Klickt jemand auf den Button „Jetzt kaufen“ oder „Bei Amazon ansehen“, usw. – so wird der Besucher zu Amazon oder einem anderen Anbieter weitergeleitet, allerdings nicht ohne zuvor einen Cookie verpasst zu bekommen.

Dieser Cookie zeigt nun der Verkaufsplattform, über welchen Weg der Käufer auf den Artikel der Verkaufsseite gestoßen ist. Der Nischenseitenbetreiber, der den Interessenten weitergeleitet hat, bekommt bei einem Kauf nun eine Affiliate-Provision gutgeschrieben.

Woran erkennt man Nischenseiten?

Branchenkenner erkennen eine solche Affiliateseite in der Regel auf den ersten Blick. Aber unerfahrene Personenkreise hingegen haben es deutlich schwieriger. Wir geben Ihnen aber an dieser Stelle einige Hinweise, die Ihnen helfen sollen eine solche Nischenseite zu erkennen.

Lautet die Domain zum Beispiel: xxx-test.de, xxx-kaufen.de, xxx-vergleich.de, xxx-ratgeber.de – so ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass es sich hierbei um eine Affiliateseite handelt.

Affiliateseiten sind aber nicht per se schlecht. Es gibt zahlreiche seriöse Affiliateseiten am Markt, deren Betreiber sich wirklich viel Mühe geben, um eine möglichst hochwertige Seite auf die Beine zu stellen und Interessenten zu beraten. Ein positives Beispiel ist an der Stelle die Seite: www.fernseher-kaufberatung.com von Damian Schwyrz, der sich wirklich extrem viel Mühe gegeben hat.

Ärgerlich ist es nur immer dann, wenn Verbraucher getäuscht werden, wobei wir bei den Tests wären. Es gibt klare Richtlinien, wie ein Test zu erfolgen hat. Es spricht auch nichts gegen einen seriös durchgeführten Test. – Wird aber, wie sehr oft bei Nischenseiten zu sehen, einfach eine Zusammenfassung der Amazon Rezensionen veröffentlicht, oder gar behauptet man hätte getestet, obwohl keine Tests erfolgten, so wird der Verbraucher getäuscht, was definitiv nicht in Ordnung ist.

Rechtsanwalt Christian Solmecke sieht in solchen Fällen der Verbrauchertäuschung sogar einen Betrug an den Verbrauchern, der strafrechtliche Auswirkungen haben kann, wie auch dem Video zu entnehmen ist.

Aber warum ist den Nischenseiten-Betreibern das Wort „Test“ so wichtig?

Wer sich mit der Suchmaschinenoptimierung ein wenig auseinandersetzt, dem ist bekannt, dass es mit sehr viel Aufwand und Kosten verbunden wäre auf das Keyword „Waschmaschine“ oder „Kühlschrank“ zu optimieren, da der Wettbewerb hier sehr groß ist. Es müsste schon sehr viel Geld in die Hand genommen werden, um unter diesen Keywords entsprechend gut zu ranken. Ein weiterer Grund ist, dass die Exact Match Domains (hier: waschmaschine.de, waschmaschine.info, waschmaschine.com) bereits vergeben sind. Da Keyword-Domains lange einen Vorteil in der Suchmaschine hatten und wohl auch derzeit noch haben, versucht man diesen SEO-Gesichtspunkt entsprechend zu beachten.

Weil es sich wahrscheinlich nicht lohnen würde auf „Waschmaschine“ zu optimieren, nutzt man andere Suchphrasen, die von Benutzern in die Suchmaschinen eingegeben werden und optimiert daher auf die sogenannten Longtails („waschmaschine kaufen“, „waschmaschine test“, „waschmaschine testsieger“). – Bevor der Hype um die Nischenseiten losging, waren auch noch viele Exact Match Domains zu Longtails, also: „waschmaschine-test.de“ oder „waschmaschine-testsieger.de“ frei.

Wo genau liegt jetzt das Problem mit den Tests?

Um unter dem Longtail „waschmaschine-test.de“ bei den Suchmaschinen gut ranken zu können, gaukeln viele Nischenseitenbetreiber ihren Lesern vor, sie hätten selbst einen Test durchgeführt und treiben die Verbraucher damit in die Irre.

Doch damit nicht genug, sie verhalten sich damit nämlich gleichzeitig auch noch wettbewerbswidrig gegenüber anderen Firmen, die sich tatsächlich die Mühe machen einen Test ordnungsgemäß durchzuführen. Denn ein solcher Test ist sehr zeitaufwändig und verursacht nicht unerhebliche Kosten.

Die Ware muss entweder gekauft werden, oder aber beim Hersteller angefragt werden. Dann müssen Tests nach festgelegten Kriterien durchgeführt werden, was viel Zeit in Anspruch nimmt. Anschließend muss die Ware dann ggf. wieder verpackt und zum Hersteller geschickt werden, sofern es sich dabei nur um eine Leihgabe zu Testzwecken handelte und die Ware nicht gekauft wurde. – Wurde die Ware gekauft, so kommen natürlich diese Kosten ebenfalls hinzu. Um einen Test bei Waschmaschinen durchzuführen, wäre der gesamte Zeitaufwand wohl deutlich jenseits der 30 Stunden, abgesehen von den anderen Kosten, die auf die seriös arbeitende Firma zukommen.

Somit hat die Firma, die einfach nur vorgibt getestet zu haben, die Tests jedoch nicht durchgeführt hat einen klaren Wettbewerbsvorteil, da die ganzen Kosten für den Test der Waschmaschine nicht angefallen sind. Der so erlangte Wettbewerbsvorteil ist aber wettbewerbswidrig und kann zu sehr kostspieligen Abmahnungen führen, die wenn sie vor Gericht landen, durch die Höhe des Streitwerts immer vor dem Landgericht landen.

Unsere Intention hinter der Aufklärung über Testseiten

Sicherlich werden sich jetzt einige Leser die Frage stellen, warum wir uns mit dem Thema überhaupt auseinandergesetzt haben und gemeinsam mit Christian Solmecke die rechtlichen Aspekte Testseiten etwas genauer unter die Lupe genommen haben.

Auf der einen Seite wurden immer wieder Fragen zu der Thematik gestellt, da hier totale Verunsicherung herrschte. Die Frage, ob es erlaubt ist, von einem Test zu sprechen, obwohl überhaupt nicht getestet wurde, war immer wieder Gegenstand diverser Diskussionen in den zahlreichen Facebookgruppen zum Thema Nischenseiten. Es wurde immer wieder mit gefährlichem Halbwissen um sich geworfen. In verschiedenen, kostenpflichtigen Kursen zum Aufbau von Nischenseiten wurde zumindest indirekt suggeriert, dass man auf das Keyword „Waschmaschinen Test“ optimieren sollte.

Ein wesentlich wichtigerer Punkt war an der Stelle die Aufklärung der jüngeren Kursteilnehmer und Nischenseitenbetreiber. Denn tatsächlich gibt es zwischenzeitlich viele Jugendliche und Heranwachsende, die Spaß daran gefunden haben Nischenseiten aufzubauen und somit das „Taschengeld“ aufzubessern. Die Problematik mit dem Wettbewerbsrecht war uns schon länger bekannt, doch da der Hype um Nischenseiten immer größer wurde, wollten wir für Klarheit sorgen.

Denn früher oder später hätten sich größere Firmen, die wirkliche Tests durchführen oder Verbraucherschützer wohl auch auf die Thematik der Testseiten gestürzt und damit angefangen Abmahnungen auszusprechen oder aussprechen zu lassen. Und genau hiervor wollten wir insbesondere jüngere und jugendliche Nischenseitenbetreiber schützen, die rechtlich meistens kaum bewandert sind.

Denn wie bereits oben beschrieben, werden solche Abmahnung meistens ziemlich teuer, neben den eigenen Anwaltskosten sind auch die Kosten des gegnerischen Anwalts zu übernehmen, da der Abmahnende häufig im Recht ist. Denn wer mahnt schon ab und geht aktiv ins Risiko, ohne sich sicher zu sein? Hier kommen im außergerichtlichen Rahmen sehr schnell 2.000 Euro und mehr an Kosten auf den Abgemahnten zu. Geht es gar vor Gericht, wird es nochmals deutlich teurer und die anwaltliche Vertretung ist sogar verpflichtend, da Streitigkeiten im Wettbewerbsrecht immer vor dem Landgericht ausgetragen werden.

Damit es überhaupt nicht dazu kommt, wollten wir aufklären, damit Seitenbetreiber die Testseiten entsprechend so gestalten können, dass sie nicht mehr für rechtliche Probleme sorgen können.

Wie wurde es von Seitenbetreibern aufgenommen?

Tatsächlich sorgte das Video für ziemlich viele und teils anstrengende Diskussionen in diversen Facebookgruppen und anderen Foren. Nicht selten kam es dann auch dazu, dass versucht wurde die Aussagen von Rechtsanwalt Christian Solmecke, die eigentlich recht eindeutig waren, so auszulegen wie es für einen selbst möglichst praktisch ist.

Fortsetzung folg in den nächsten Tagen….

 

 

 

 

2 KOMMENTARE

  1. Danke für das tolle Video, aber leider werden nur am Anfang die Reviews beachtet. Was ist, wenn meine Seite „XY-Test“ heißt. In den Überschriften heißt es auch „Test“. Nun habe ich auf der Seite 3 Produkte selbst getestet und bei 20 anderen Zusammenfassungen geschrieben. Also ich sage nicht, dass ich das Produkt getestet habe, aber ich fasse andere Testberichte (von anderen Seiten) mit meinen eigenen Worten kompakt zusammen.

    Danke!

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