Start Allgemein Burnout – Sind uneinsichtige Arbeitgeber schuld?

Burnout – Sind uneinsichtige Arbeitgeber schuld?

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Burnout---Sind-uneinsichtige-Arbeitgeber-schuldEin Hamsterrad für alle?

Stresskrankheiten nehmen in unserer schnelllebigen Arbeitswelt immer mehr zu. Wir können kaum noch abschalten und sind immer erreichbar. Burn-Out macht die Krankenkassen „krank“, denn die müssen immer höhere Ausgaben für Langzeiterkrankungen aufwenden. Die Krankenkassen machen die ihrer Meinung nach uneinsichtigen Arbeitgeber für dieses Phänomen verantwortlich. War dieser psychische Ausnahmezustand bis vor wenigen Jahren noch eine Randerscheinung, so gehört er heutzutage zu unserem Alltag dazu. Kollegen, Freunde, Familienmitglieder, Burn-Out grassiert überall. Durch das steigende Arbeitstempo und den wachsenden Leistungs- und Zeitdruck leiden immer mehr Arbeitnehmer an Burn-Out. Die Arbeitgeber würden nichts tun, um diesem Trend entgegenzusteuern, so die Krankenkassen. Für viele Unternehmen ist ein gut funktionierendes Gesundheitsmanagement, das die Arbeitnehmer auf einen gesunden Umgang mit dem zunehmenden Stress vorbereitet und in Problemfällen gemeinsame Lösungen mit ihnen sucht, ein Fremdwort. Stattdessen werden die „Daumenschrauben“ immer enger gezogen. Für viele Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist Burn-Out noch immer keine anerkannte Krankheit, sondern eher eine Schande. Sie sehen Menschen, die offen zugeben, unter Burn-Out zu leiden, als Drückeberger an, die sich auf ihrer Krankheit ausruhen und stattdessen die Kollegen ihre Arbeit machen lassen.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf

Dabei handelt es sich bei Burn-Out schlicht und ergreifend um einen Zustand der permanenten Überforderung. Die Betroffenen kommen sich vor wie in einem Hamsterrad, sie müssen immer schneller laufen, um nicht zum Stillstand zu kommen oder herauszufallen. Deutsche Unternehmen scheuen nach wie vor davor zurück, in ihren Betrieben ein gut funktionierendes Gesundheitsmanagement einzurichten. Zu teuer! Dabei ist jeder in gesunde Mitarbeiter investierter Euro gut angelegt. Krankenkassen haben berechnet, dass der langfristige Ausfall schon eines Top-Managers aufgrund Burn-Out verursachter Depressionen ein Unternehmen bis zu 75.000 Euro kostet. Ein gut funktionierendes Gesundheitsmanagement ist dagegen nicht so teuer wie viele vermuten. Mit 50.000 Euro ist ein Unternehmen in der Lage, durch ein effektives Gesundheitsmanagement präventiv jeder Form von Stress und Burn-Out entgegenzuwirken. 75.000 Euro für einen, 50.000 Euro für alle. Auch ein Gesundheitsreport der DAK aus dem Jahr 2013 unterstützt die Krankenkassen in ihrem Vorgehen gegen Burn-Out. Die Fehltage aufgrund psychosomatischer Erkrankungen haben in den vergangenen 15 Jahren einen Zuwachs in Höhe von 165 Prozent erfahren. 16 Prozent der Fehltage in den Unternehmen gehen auf Depressionen und Burn-Out zurück. Die Fehltage pro individuellen Krankheitsfall nehmen gleichfalls zu, wie eine Studie des Wissenschaftlichen Institutes der AOK feststellt. Die Krankenkassen sehen sich mit einer immensen Zunahme der Krankengeldbeträge konfrontiert, die sie an langfristig arbeitsunfähig erkrankte Mitglieder nach sechs Wochen als Ersatz für ihr Gehalt zahlen müssen. Die Krankenkassen fordern eine sachliche Debatte, die eine objektive Beurteilung dieser noch relativ neuen Entwicklung der Arbeitswelt ermöglicht. Arbeitsausfälle aufgrund langfristiger Erkrankungen haben schwerwiegende wirtschaftliche Folgen für die Unternehmen.

Eine veränderte Wahrnehmung

Die Krankenkassen erkennen immerhin eine veränderte Sensibilität und ein verbessertes Bewusstsein der Ärzte. Heutzutage würden viel mehr Arbeitnehmer aufgrund psychosomatischer Erkrankungen krankgeschrieben als früher. Da trugen die Ärzte bei nicht genau erkennbaren Krankheitsbildern auch gerne mal Rückschmerzen oder eine Magenverstimmung auf die Krankmeldung ein. Die Politik hat zumindest signalisiert, dieses Thema ernst zu nehmen und zu handeln. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) erwägt, gesetzlich vorgeschriebene Belastungsschwellen festzuschreiben. Sie plädiert für einen verbesserten Überstundenausgleich, eine verstärkte Gesundheitsförderung in den Betrieben und längere Erholungs- und Ruhephasen. Damit steht sie zurzeit jedoch alleine da, denn selbst ihr Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und die traditionell arbeitgeberfreundlichen Unionsspitzen sprechen sich gegen dieses Konzept aus. Die Arbeitsschutzbehörde unterstützt die Krankenkassen und die Arbeitsministerin. Ihre Untersuchungen ergeben, dass ein immer enger getakteter Arbeitsalltag, Zeitdruck, ständige Erreichbarkeit und die allgemeine Verdichtung der damit einhergehenden Lebensumstände negative Folgen durch Burn-Out, Leistungsabfall, erhöhte Fehlerquoten und vollständigen Verzicht auf Ruhepausen nach sich ziehen. Die Ruhepuffer passen nach Aussagen der Arbeitnehmer einfach nicht mehr in den Arbeitsalltag. Ein Großteil der Erkrankten klagt über Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Nervosität. Die Arbeitsschutzbehörde stellt fest, dass Multitasking mit der Ausführung von mehreren anspruchsvollen Aufgaben zur gleichen Zeit unweigerlich zu Qualitätseinbußen, Leistungsabfall sowie zu physischen und psychischen Fehlbeanspruchungen führt. Dem Bereich Prävention müsse demzufolge eine deutlich größere Rolle als bisher zufallen.

Die Arbeitgeber weisen diese Vorwürfe zurück, psychische Erkrankungen seien nicht vorrangig auf ein unausgeglichenes Arbeitsumfeld der Betroffenen zurückzuführen. Arbeit könne bei ungünstigen Bedingungen zwar zur Entstehung psychischer Erkrankungen beitragen, sei jedoch niemals die alleinige Ursache dafür. Die Betriebe hätten ein ureigenes Interesse an gesunden Mitarbeitern und nähmen das Problem von Stresserkrankungen sehr ernst. Das derzeitige Schutzniveau im Arbeitsschutzrecht sei sehr hoch. Sie verneinen die ständige Erreichbarkeit der Arbeitnehmer. Einsätze außerhalb der vereinbarten Arbeitszeiten seien nur in engen Grenzen innerhalb der gesetzlichen Vorschriften möglich. Der Eingriff der Politik auf staatlicher Ebene könne die individuellen Probleme psychischer Erkrankungen nicht lösen. Dafür seien die Ursachen zu komplex. Und dennoch sprechen die Zahlen und Fakten rund um dieses Thema eine andere Sprache. Psychisch erkrankte Mitarbeiter fehlen durchschnittlich 25 Tage an ihrem Arbeitsplatz. Nur ein geringer Teil dieser Erkrankten hat ein nachweislich ungünstiges privates Umfeld, auf das ihr Krankheitsbild zurückzuführen ist. Der größte Teil der Betroffenen klagt nach wie vor über Überforderung im beruflichen Umfeld.

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