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Businessknigge Mittel- und Südamerika

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Businessknigge Mittel- und Südamerika

Zur Begrüßung reichen Sie Ihren lateinamerikanischen Gastgebern die Hand. Körperkontakt in Form von Schulterklopfen ist durchaus erwünscht, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Frauen begrüßen Sie mit drei angedeuteten Wangenküssen, jedoch nur, wenn Sie sich bereits etwas besser kennen. Ansonsten reichen Sie die Hand oder zollen ihr die Aufmerksamkeit durch eine angedeutete Verbeugung. Frauen begrüßen sich untereinander mit einem Kuss auf die Wange.

Geläufig ist die Anrede mit Vornamen, auf Titel wird verzichtet. Älteren Männern wird durch die Anrede „Don“ Respekt gezollt, in den portugiesisch stämmigen Ländern wählen Sie die Anrede „Senhor“. Die Frauen werden mit „Doña“ oder „Senhora“ angesprochen. In manchen Kreisen werden akademische Titel wie „Licenciado“ (Studierter) oder „Ingeniero“ (Ingenieur) durchaus verwendet. Höhergestellte Persönlichkeiten werden auch gerne mit „Doktor“ angesprochen, wobei sie nicht zwingend Inhaber dieses Titels sein müssen.

Beim ersten Geschäftskontakt gelten Gastgeschenke als übertrieben, sie überraschen Ihren Gastgeber. Bei weiteren Geschäftstreffen sind typisch deutsche Geschenke wie ein Trikot von Bayern München oder ein Modellauto von Porsche für den Sohn durchaus gerne gesehen. Blumen sind eher unüblich. Die Verpackung der Geschenke sollte einfallsreich und liebevoll gestaltet sein, da diese wichtiger ist als der Inhalt. Greifen Sie also nicht auf die einfallslosen Schnellverpackungen zurück, die Sie in den Läden bekommen. Die Geschäftskleidung fällt in den Großstädten ähnlich konservativ aus wie bei uns, wobei sich die Frauen etwas freizügiger kleiden als in Europa.

Da in Lateinamerika überwiegend warmes und sonniges Wetter herrscht, laden ihre Gastgeber sie oft auch zu sich nach Hause ein. Viele gut situierte Geschäftsleute haben Hausangestellte. Beziehen Sie diese jedoch nie in ihr Gespräch ein und sprechen Sie sie nicht an, wenn Sie einen Wunsch haben. Diese Ehre gebührt alleine dem Gastgeber. Nach dem Geschäftstermin schließt sich oft am Abend noch eine Privatparty an, die in der Regel in den anliegenden Strandhäusern stattfinden. So eine Einladung sollten Sie unbedingt als Ehrerweisung betrachten. Aber Achtung, seien Sie auf keinen Fall pünktlich, denn das wird als Unhöflichkeit ausgelegt. Eine Verspätung von bis zu einer Stunde ist angemessen. Der Kleidungsstil ist gepflegt, mediterran und leger. Er trägt eine Kombination aus Jackett, Hemd und Hose, diese jedoch gebügelt. In den Schuhen dürfen die Herren bei dem heißen Wetter auch durchaus mal die Socken vergessen. Sie trägt einen kurzen Rock, eine Bluse mit Dekolleté und Pumps. Dieser Kleidungsstil mutet für europäische Frauen im Rahmen von Geschäftskontakten etwas seltsam an, ist in Lateinamerika jedoch durchaus üblich, da die Frauen sehr viel Wert auf ihr gutes Aussehen und eine perfekte Figur legen und diese gerne entsprechend in Szene setzen. Ein etwas freizügiger Kleidungsstil ist in Lateinamerika also durchaus nicht anrüchig und die Schönheit der Frauen wird nicht gleichgesetzt mit Inkompetenz wie in Deutschland. Auch die Männer fördern dieses Verhalten. Kommen Sie als Frau allzu zugeknöpft und dezent an, wird das kaum jemand verstehen.

Entsprechend der heißen Temperaturen wird mehrmals täglich geduscht und Körperpflege betrieben. Weniger als ein immer frisches Aussehen wird nicht akzeptiert. Sollten Sie Gast einer Strandparty sein, achten Sie auf modische Badekleidung. Herren tragen keinesfalls Tennissocken mit Sandalen und große und ausleierte Badehosen. Frauen dürfen durchaus knappe Bikinis tragen, kombinieren diese jedoch mit kunstvollen Accessoires, wie Tüchern und Standkleidern.

Anlässlich von Geschäftsterminen außerhalb privater Räumlichkeiten setzt sich Pünktlichkeit langsam durch, eine viertel Stunde Verspätung ist jedoch durchaus möglich. Englisch spricht in der Regel nur die Elite und Geschäftsleute, die viel im Ausland zu tun haben. Ein paar Bocken Spanisch oder Portugiesisch öffnen so manche Türen. Wenn Sie jemanden anrufen, wundern Sie nicht, wenn sich ihr Gesprächspartner nicht mit Namen meldet. Sie hören nur das spanische „Olá“ oder das portugiesische „Oi“. Neben einer Gewohnheit geschieht dieses für uns seltsame Verhalten auch aus Sicherheitsgründen. Visitenkarten sind sehr wichtig. Sie werden beim ersten Treffen dezent überreicht und sollten in Spanisch oder Portugiesisch verfasst sein, denn ihnen wird große Aufmerksamkeit geschenkt.

In Mittel- und Südamerika wird zwar viel Alkohol getrunken, jedoch achtet man darauf, sich nicht zu betrinken. In Mexiko, Brasilien und Venezuela sind die Einwohner trinkfreudiger als in Chile oder Argentinien. Die Brasilianer trinken zum Mittagessen gerne eine Caipirinha oder ein Bier, die Chilenen und Peruaner ein Pisco Sour. Sie dürfen gerne mithalten, jedoch lautet das oberste Gebot, weniger ist mehr. In Venezuela oder Mexiko wird auch gerne mal eine Flasche Whisky auf den Tisch gestellt, aber auch hier gilt, alles nur in Maßen.

Obwohl die Lateinamerikaner im Gegensatz zu uns sehr temperamentvoll sind und sich gerne und laut streiten, ohne dass eine ernsthafte Situation dahinter steckt, gilt für Sie als Gast in dem Land, niemals einen frontalen und lauten Streit vom Zaun zu brechen, der Ihr Gegenüber obendrein belehrt und kritisiert. Mit dieser Verhaltensweise werden Sie schnell ausgebremst und Ihr Geschäftsanliegen boykottiert. Lebhafte Diskussionen sind allerdings durchaus erwünscht. Lateinamerikaner fallen sich dabei auch gerne gegenseitig ins Wort und lassen sich demzufolge nicht immer ausreden. Im Gegensatz zu Deutschland und anderen europäischen Ländern gilt diese Verhaltensweise nicht als unhöflich. Bei uns würde sich ein Gesprächsteilnehmer, der einen anderem ins Wort fällt, als unhöflich, arrogant und anmaßend wirken. In Lateinamerika gilt diese temperamentvolle Gesprächsführung dagegen als höflich, weil man damit ein ernsthaftes Interesse an dem Gesprächsthema bekundet.

Trinkgelder werden in manchen lateinamerikanischen Ländern automatisch auf den Preis draufgeschlagen (Brasilien), in anderen Ländern wie Mexiko oder Venezuela ernten Sie einen beleidigten Blick der Kellner, wenn Sie es bei den zehn Prozent belassen. Je näher Sie sich an der Grenze zu den USA befinden, desto höher die Erwartungen.

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