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Businessknigge Russland

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Businessknigge Russland

Dresscode und Accessoires

Die Regeln in der russischen Geschäftswelt unterscheiden sich von den unseren in manchen Teilen erheblich, andere Bereiche dagegen sind unseren Sitten und Gebräuchen wiederum sehr ähnlich. Die Männer tragen zu Geschäftsterminen vorzugsweise Anzug und Krawatte in gedeckten Farben und die Frauen feminine Outfits, wie Kostüm und Bluse. Was allerdings Accessoires angeht, unterscheiden sich russische Geschäftsleute in ihrem Auftreten stark von ihrem deutschen Gegenüber. Während bei uns Schmuck, wenn überhaupt, nur sehr ausgewählt und sparsam angelegt wird, gilt dieser bei russischen Männern und Frauen als Statussymbol. Männer tragen daher häufig teure Markenuhren, sowie Kette, Armband und Ring. Auch die Frauen zeigen gerne, was sie haben. Sie tragen ein nicht allzu dezentes Make-up, was bei deutschen Frauen im Geschäftsalltag verpönt ist und allenfalls zur Abendgarderobe getragen wird. Schmuck und Make-up in diesem Stil gelten bei den Deutschen als Protzerei. Männer, die mehr als nur eine Uhr tragen, gelten als unseriös, Frauen mit einem starken Make-up werden bei uns meistens nicht ernst genommen. Schnell unterschätzt man sie, weil die allgemeine Auffassung besteht, dieser Frau ist ihr Aussehen wichtiger als ihre berufliche Kompetenz. Die Anrede erfolgt bei Männern mit dem Vornamen und dem Vatersnamen (abgewandelter Vorname des Vaters). Lautet der Vorname Ihres Gesprächspartners Sergej und der Name des Vaters Oskar, sprechen Sie ihn mit Sergej Oskarowitsch an. Meistens steht diese Namensgebung auf der Visitenkarte, wenn nicht, erkundigen Sie sich an geeigneter Stelle (Dolmetscher, Sekretariat) danach, da Ihnen der Vorname des Vaters kaum geläufig sein dürfte. Die Tochter von Oskar würde dann z. B. Svetlana Oskarovna heißen. Auf die Anrede mit hierarchischen Titel wird verzichtet, diese gebührt nur hochrangigen Persönlichkeiten wie Ministern oder Generaldirektoren. Im Allgemeinen ist es jedoch schwierig, ein Gefühl für die Zusammensetzung russischer Namen zu bekommen. Sind Sie sich unsicher, bleiben Sie lieber beim normalen Vornamen. Allerdings heißt das nicht, dass Sie Ihr Gegenüber auch duzen dürfen, denn in der russischen Sprache ist die Distanz zwischen „Du“ und „Sie“ genauso groß wie in der deutschen. Das „Du“ ergibt sich oft spontan und unangekündigt, aus dem Bauch heraus. Die Anrede mit Nachnamen ist dagegen unüblich, da diese Form für russische Ohren kalt und distanziert wirkt.

Man zeigt gerne, was man hat

Russische Geschäftsleute zeigen ihren Reichtum gerne, diese Zurschaustellung wird sogar erwartet. Dieses Verhalten liegt darin begründet, dass der überwiegende Teil der russischen Gesellschaft zu Sowjetzeiten kaum privates Eigentum besaß, die Möglichkeit auf privaten Wohlstand bestand außerhalb der Politelite kaum. Inzwischen sind viele Russen jedoch im kapitalistischen System angekommen, haben viel Geld verdient und wollen ihren Wohlstand natürlich auch zeigen. Neben den gängigen Themen im Small Talk begeistern sich Ihre russischen Geschäftsfreunde vor allem für die Bereiche Technik und Wissenschaft. Streuen Sie diese Themen in Ihren Small Talk ein oder steuern Sie Ihre kompetente Meinung bei und man wird es Ihnen danken. Gastfreundschaft wird großgeschrieben, man kümmert sich mit einem großen Rahmenprogramm um die ausländischen Geschäftsfreunde, denn man will ihnen etwas bieten. Vermeiden Sie jedes Verhalten, das Ihre Geschäftspartner als Geiz auffassen könnten, denn dieses steht der russischen Gastfreundschaft entgegen. Einzig das Mittagessen darf etwas bescheidener ausfallen, denn Freundschaften und Verträge werden in der Regel beim Abendessen geschlossen, bei dem Sie nicht auf den Preis schauen sollten.

Kleine Geschenke erleichtern den Alltag und erhalten die Freundschaft

Die Distanzzone fällt geringer als bei uns, der Körperkontakt reicht auch schon mal bis zu einer Umarmung oder einem Wangenkuss, wenn Männer sich etwas besser kennen. Ansonsten sind Berührungen am Arm und ein Klopfen auf die Schulter durchaus möglich, sie gelten als Sympathiebekundung. Trotz aller Wertschätzung und Gastfreundschaft auf russischer Seite, seien Sie am Anfang niemals zu freundlich und betont locker und humorvoll, denn dieses Verhalten ist den Russen suspekt, sie werten dieses Auftreten als zu Amerikanisch und legen es mitunter sogar als Schwäche aus. Der Ton wird später verstärkt freundlicher, sobald man sich besser kennt. Kleine Gefälligkeiten und Geschenke erhalten die Freundschaft und erleichtern den Geschäftsalltag. Ihre russischen Freunde würden es nicht verstehen, wenn Sie ihre Hilfestellung, zum Beispiel beim Organisieren des Visumsantrages oder eines Mietwagens, abschlagen. Man zeigt sich gerne gefällig, erwartet so ein Verhalten jedoch auch von der Gegenseite. Bittet Ihr Gegenüber Sie, sich um Ausbildungsmöglichkeiten für seinen Nachwuchs in Deutschland zu erkundigen, kommen Sie dieser Bitte nach und beschaffen sich nach Ihrer Rückkehr die gewünschten Informationen so schnell wie möglich. Ihr russischer Freund wird Ihnen diese Gefälligkeit nicht vergessen. Bei der Auswahl der Geschenke sollten Sie sie sehr sorgfältig vorgehen, sie dürfen gerne etwas teurer ausfallen. Übersetzungen und hochwertige Ausgaben der russischen Klassiker oder Bücher über die Hobbies der Gastgeber werden gerne gesehen. Seien Sie nicht zu knausrig, denn Geschenke, denen man den billigen Preis ansieht, werden mit fehlender Wertschätzung assoziiert. Im zweiten Teil dieses Beitrages stellen wir Ihren Weg zum Geschäftsabschluss vor.

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