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Die digitale Agenda der Bundesregierung aus Gründerperspektive

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Die-digitale-Agenda-der-Bundesregierung-aus-GruenderperspektiveDie Bundesregierung hat die Zeichen der Zeit erkannt und will Deutschland auf dem digitalen Sektor fit und konkurrenzfähig machen. Im Fokus steht die junge digitale Wirtschaft. Übersetzt heißt das, die Bundesregierung richtet ihr Augenmerk auf die Gründer- und Startup-Szene. Dieser Wille steht im Koalitionsvertrag. Wie das so ist mit unseren Damen und Herren Politikern, geht auch mit Bekanntgabe dieser Wohltaten für digitale Jungunternehmer eine Menge Eigenlob einher. Wie bewertet die Gründerszene das Vorgehen unserer Bundesregierung, teilt sie die Begeisterung unserer Politiker? Weit gefehlt, zu schwammig, keine großen Hoffnungen ohne veritable Marschroute. Das Werk der Bundesregierung heißt „Digitale Agenda 2014-2017“.

Papier ist geduldig…

… und hält viel aus, es kann sich nicht wehren, gegen das, was auf ihm niedergeschrieben wird. Genau dieses Papier erzählt uns, die neue Agenda soll „Chancen, die die Digitalisierung für Wirtschaft, Alltag und Bildung eröffnet, noch besser nutzbar machen.“ Superminister Sigmar Gabriel teilt die allgemeine politische Begeisterung und sagt: „Ziel ist es, Deutschland eine Führungsrolle bei der konsequenten, sozialverträglichen und vertrauenswürdigen Digitalisierung von Leben, Arbeiten und Wirtschaften zu ermöglichen.“ Soweit, so gut. Wie das oft der Fall ist, passen Anspruch und Wirklichkeit nicht zusammen. Geht es nach dem Willen unserer Politiker, wird es künftig keine „digitale Kluft“ mehr zwischen den ländlichen Gegenden und den urbanen Ballungszentren geben. Datensicherheit, der Schutz der Internetuser, die digitale Aufrüstung und damit der Ausbau der Netzstruktur für Hochgeschwindigkeitsanschlüsse stehen ganz oben auf der Tagesordnung. Die digitale Agenda träumt von einem hoch angesetzten Datenschutz, der durch optimale Verschlüsselungen die Sicherheitstechnologie fördert und private User und Unternehmen schützt. Allerdings fragen sich Datenschützer und Fachleute, wie diese von der Politik angestrebte Datensicherheit und der Schutz der Bürger angesichts der ausufernden NSA-Spionageaffäre umzusetzen ist. In dieser Hinsicht hat sich Resignation breitgemacht, da die Amerikaner den Eindruck vermitteln, sie geht das alles nichts an und sie werden weitermachen wie zuvor. Der dritte Punkt wendet sich der Förderung der digitalen Wirtschaft zu. Nach der Vorstellung unserer Politiker spielen junge, frische und innovative Unternehmen die Hauptrolle in diesem digitalen Meisterstück. „Auf dem Weg zum digitalen Wachstumsland Nr. 1 in Europa setzen wir auf die Innovationskraft der Startups“, so der Koalitionsvertrag.

Neue Chancen für Startups?

Nicht unbedingt. Auf dem Papier hört sich die Agenda vielversprechend an. Leider hat die Bundesregierung versäumt, sich dahingehend zu äußern, wie sie ihren eigenen Ansprüchen gerecht wird. Fachleute der Gründerszene stufen die Agenda als Absichtserklärung ein. Sie vermissen eine digitale Roadmap und klare Zielvereinbarungen. Die Agenda verzeichnet keine wegweisenden Innovationen, nichts, was nicht zuvor aus der Gründerszene gekommen wäre. Ein neues Facebook ist vorerst nicht in Sicht.

Konkretisierungsbedarf

Der BVDS (Bundesverband Deutsche Startups e.V.) hat in einem Positionspapier Stellung bezogen und konkrete Verbesserungsvorschläge niedergeschrieben. Der Verband sieht sich als Stimme und Repräsentant der deutschen Gründerszene. Er steht in einem ständigen Dialog mit den Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft und erarbeitet Vorschläge zu einer gründerfreundlichen Kultur. Er versucht, bessere Voraussetzungen für Unternehmensgründungen zu schaffen und Hürden auf dem Weg dorthin einzureißen. Der Gründergeist darf nicht nur postuliert werden, er muss mit praktischen Schritten gefördert werden. Bereits in der Schule müssen Schüler unternehmerisches Denken und Handeln lernen und praxisorientiert gefördert werden. Der BVDS schlägt einen Hightech-Wachstumsfond vor, um die Finanzierungsvoraussetzungen zu optimieren und First-Stage-Investoren, Business-Angels, zu gewinnen. Junge Gründer mit Kindern vereinbaren ihre Karriere mit Familie durch Kita-Plätze in Gründerzentren und Coworking-Spaces. Die besten Startup-Ideen sind im täglichen Leben zu finden und müssen praxisorientiert umgesetzt werden. Genau an dieser praxisorientierten Umsetzung scheitern viele Jungunternehmer in der Anfangsphase, da Politik, Gesetzgeber und EU-Bürokratie viele Hürden auf dem Weg dorthin aufstellen. Diese konkret umrissenen Vorschläge sind nur einige Punkte der praxisorientierten Agenda der BVDS. Interessierte Gründer und alle die, die es angeht, können das komplette Konzept in der „Deutschen Startup Agenda“ nachlesen.

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