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Eigenkapital vs. Fremdkapital: Das müssen Gründer wissen

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Kredit
Zinskosten summieren sich über die Jahre zu hohen Summen

Ermitteln Gründer ihren Finanzierungsbedarf und stellen fest, wie viel Geld für ihr Geschäftsvorhaben nötig ist, müssen sie eine Lösung für die Finanzierung finden. Meist ist nicht genügend eigenes Erspartes vorhanden, um die Geschäftsidee auf den Weg zu bringen. Auch aus den Reihen von Familie, Freunden und Bekannten lässt sich oft nicht genügend Geld aufnehmen.

Gerade bei kapitalintensiven  Vorhaben ist es nicht so einfach, die nötige Kapitaldecke herzustellen. Ein typisches Merkmal für neu gegründete Unternehmen ist die Kombination aus fehlenden Sicherheiten und hohem Geschäftsrisiko. Vor diesem Hintergrund tun sich Fremdkapitalgeber schwer, einen Kredit zu bewilligen. Zwar hält der Staat diverse Förderprogramme bereit, dennoch zögern Banken selbst bei einer selbstschuldnerischen Bürgschaft des Gründers ins Risiko zu gehen und einen Kredit zu vergeben.

Gründern müssen die Grundlagen und Zusammenhänge verstehen, die Fremdkapital, Eigenkapital und Mezzanine-Kapital verbinden.  Dann können Sie sich entsprechend vorbereiten, um Banken das anzubieten, was diese brauchen, um eine Finanzierung in Betracht zu ziehen.

Merkmale des Fremdkapitals

Ein besonderes Merkmal des Fremdkapitals ist, dass es zu einem festgelegten Zeitpunkt wieder zurückbezahlt werden muss. Gründer nehmen Kredite auf und unterwerfen sich dabei den allgemeinen schuldrechtlichen Regeln. Das bedeutet, dass der Geldgeber –die Bank – einen Vergütungsanspruch begründet und, dass das Kreditgeschäft befristet und kündbar ist. Die Kosten für den Kredit, nämlich die Zinsen, können die Gründer steuerlich geltend machen. Sie wirken sich gewinnmindernd aus.  Gründer bemühen sich aufgrund dessen in der Regel darum, ein möglichst zinsgünstiges Darlehen zu bekommen. Mit Blick auf die Auswirkungen auf die betrieblichen Zahlen ist das auch verständlich und oft sinnvoll. Der  Vergleich von Zinskonditionen lohnt sich deshalb in der Regel. Die Zinssätze sind von Bank zu Bank unterschiedlich. Bereits minimale Unterschiede im Zinssatz wirken sich beträchtlich auf die Gesamtkosten eines Kredits aus.

Zahlen-Beispiel:

Ein Kredit über 100.000 € bei einer Laufzeit von 15 Jahren verursacht bei einem Zinssatz von 2 % insgesamt 15.681,59 € Zinskosten. Liegt der Zinssatz bei 3 %, betragen die Kosten bereits 23.954,59 €. Der Unterschied liegt bei 8.273 € insgesamt.

Keine Gewinnbeteiligung für Fremdkapitalgeber

Fremdkapitalgeber erhalten Zinsen für das hingegebene Kapital. Am Gewinn oder Verlust sind sie nicht beteiligt. Kreditgeber wollen das verliehene Geld absichern, deshalb fordern sie Sicherheiten. Üblich sind zum Beispiel Bürgschaften und Sicherungsrechte am Anlagevermögen oder auch am Warenbestand bzw. Umlaufvermögen der Firma. Geht das junge Unternehmen insolvent, wollen die Banken vor allen anderen Gläubigern ihr Geld zurück.

Wenn Gründer einen Kredit aufnehmen, sollten sie den Aspekt der Zinsen nicht als den einzig wichtigen betrachten. Ein Tilgungsaufschub oder die Vereinbarung einer Rückzahlungsaussetzung können mitunter einen höheren Stellenwert einnehmen. Das geht in dem meisten Fällen zu Lasten des Zinssatzes. Ist die Bank damit einverstanden, dass bei Bedarf vorübergehend die Rückzahlung des Kredits für eine bestimmte Zeit ausgesetzt wird, eröffnet das dem jungen Unternehmens finanziellen Handlungsspielraum, der den Fortbestand der Firma sichern kann.

Konditionen prüfen und abwägen

Gründer sollten die Kreditkonditionen des Fremdkapitalgebers überprüfen und abwägen, welche besonderes Gewicht für sie haben. In einem persönlichen Gespräch mit einem erfahrenen Finanzberater lassen sich die Einzelheiten besprechen. Wem bewusst ist, welche  Merkmale der richtige Kredit für das geschäftliche Vorhaben aufweisen muss, kann mit dem Ergebnis des Angebotsvergleichs sinnvoll umgehen. Denn vor diesem Hintergrund ist der zinsgünstigste Kredit nicht unbedingt der beste.

Der richtige Kredit ist nicht unbedingt der mit den niedrigsten Zinsen.

Merkmale des Eigenkapitals

Eigenkapital steht einem Unternehmen unbefristet zu. Eigenkapital kostet das Unternehmen keine Zinsen und es müssen keine Sicherheiten gebracht werden. Eigenkapitalgeber sind im Gegensatz zu Fremdkapitalgebern am Gewinn und Verlust der Firma beteiligt. Wenn das junge Unternehmen insolvent geht, wird das Eigenkapital nachrangig behandelt. Das bedeutet oft, dass Eigenkapitalgeber einen Verlust verbuchen müssen – sie bekommen ihr Geld nicht zurück, weil Fremdkapitalgeber vorrangig bedient werden und das verfügbare Geld aufzehren.

Mit Blick auf der Investorenmarkt liegt auf der Hand, dass Eigenkapitalgeber nur dann bereit sind Geld zu geben, wenn sie an den Erfolg des Unternehmens glauben und eine entsprechende Rendite beanspruchen können. Reguläre Zinszahlungen reichen nicht aus, sie streben auf einen erfolgreichen Exit hin. Das bedeutet, dass sie die Beteiligung, die sie mit dem Eigenkapital erworben haben, später mit einem attraktiven Gewinn wieder verkaufen können.

Wenn Investoren mit Eigenkapital einsteigen, schließen sie entsprechende Verträge ab. Diese regeln Mitspracherechte und Kontrollrechte sowie die Rechte bezüglich des Exits, die so genannten exit-related rights. Damit ist der Ausstieg aus dem Unternehmen gemeint. Begriffe wie Mitverkaufsrecht (tag along rights) und Mitveräußerungspflichten (drag along rights) müssen Gründern bekannt sein, die Investoren mit Eigenkapitalbeteiligung aufnehmen. Diese wollen durch ihre Mitsprache- und Kontrollrechte dafür sorgen, dass sich das von ihnen finanzierte Unternehmen nach ihren Vorstellungen entwickelt und auf eine gute Rendite hinarbeitet. Zudem möchten sie sicherstellen, dass die Gesellschafter eines Unternehmens sich in den grundlegenden Entscheidungen einigen können, um renditeträchtige Verkaufsgelegenheiten ohne zeitraubende Streitigkeiten wahrnehmen zu können.

Die Mischform: Mezzanines Kapital

Das mezzanine Kapital ist eine Mischform zwischen Eigenkapital und Fremdkapitalfinanzierung. Hinsichtlich ihres Ranges folgt es dem erstrangigen Fremdkapitalgeber und steht vor dem Eigenkapitalinvestor. Typische mezzanine Finanzierungsformen sind:

  • Stille Beteiligung
  • Genussrechte
  • Nachrangdarlehen

Die Kosten für mezzanine Finanzierungsformen liegen demnach auch zwischen der Fremdkapital- und der Eigenkapitalfinanzierung. Je nachdem wie der mezzanine Finanzierungsvertrag ausgehandelt wird steht das Kapital über einen zeitlich definierten Zeitraum in Form von bilanziellem Eigenkapital zur Verfügung. Das bedeutet, dass es in der Bilanz entsprechend qualifiziert wird und somit eine positive Auswirkung hat, falls beispielsweise Fremdkapital bei einer Bank aufgenommen werden soll.

An mezzanine Finanzierungsformen sind in der Regel gemischte Vergütungen gekoppelt. Zum einen erhalten mezzanine Kapitalgeber zum Teil Zinsen, zum anderen  profitieren sie zum Teil am Unternehmenserfolg, zum Beispiel in Form von Bezugsrechten oder Prämienzahlungen.

Fazit: Gesunde Finanzierung eines Startups beeinflusst Erfolgschancen

Eine ausgewogene Finanzierung ist für ein junges Unternehmen wichtig. Eine gesunde Mischung aus unterschiedlichen Finanzierungsinstrumenten sorgt für eine breite Risikostreuung. Wichtig ist, dass Gründer die Wechselwirkung der Mezzanine- und Fremdkapitalkonditionen wie günstigen Zinsen, Sicherheiten, flexiblen Rückzahlungsmodalitäten und Exit-Vereinbarungen verstehen, um bei der Auswahl der Finanzierungspartner individuell sinnvoll vertragliche Schwerpunkte setzen zu können. In Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Finanzierungsberater gelingt es Gründern besser, die Kombination zu finden, die in ihrem Fall optimal geeignet ist.

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