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Factoring-Markt zwischen 2014 und 2018 um 28 Prozent gewachsen: Ist Factoring die Zukunft?

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Factoring
Wenn sich Kunden immer sehr lange mit der Bezahlung von Rechnungen Zeit lassen, ist Factoring eine gute Lösung. Die Branche boomt.

Der Factoring-Markt wächst beständig. Im Jahr 2003 wurden gerade mal 35.082 Millionen Umsatz in diesem Bereich gemacht, 2010 waren es schon 129.425 Millionen. Und ein Ende ist nicht in Sicht, immerhin besagte der Umsatz im vergangenen Jahr rekordverdächtige 244.300 Millionen Euro. Aber was bedeutet dies eigentlich für die Unternehmen und worauf sollten Unternehmen achten?

Die Zahlen im Einzelnen

Die Umsatzzahlen präsentieren sich zuverlässig auf einer deutlich nach oben weisenden Geraden. Das bedeutet natürlich nicht allein, dass die Zahl der Factoring-Aufträge steigt, sondern auch die Menge des Geldes, welches auf diesem Weg umgesetzt wird. Wie deutlich die Summe steigt, offenbart ein Vergleich der Jahre 2014 bis 2018:

  • Jahr 2014 – 189.888 Millionen Euro wurden in Deutschland über das Factoring umgesetzt.
  • Jahr 2015 – die nächste Großmarke wurde gebrochen: 209.001 Millionen Euro.
  • Jahr 2016 – 878 Millionen Euro.
  • Jahr 2017 – der nächste Sprung: 232.431 Millionen Euro.
  • Jahr 2018 – der aktuelle Höchststand mit 244.300 Millionen.

Neben den Zahlen ist die Zahl der eigentlichen Factoring-Kunden ebenfalls von Interesse. Diese hat noch gewaltigere Sprünge gemacht:

  • Jahr 2005 – 3.200 Kunden nutzten das Factoring in Deutschland.
  • Jahr 2010 – die Zahl der Kunden ist bereits auf 12.000 gestiegen.
  • Jahr 2015 – zum ersten Mal wurde die 20er-Marke gebrochen: 20.360 Kunden.
  • Jahr 2017 – die Zahl stieg auf 36.280.
  • Jahr 2018 – das vorläufige Hoch: 43.830.

Diese Zahlen beweisen, dass nicht allein die Factoring-Summen stiegen, sondern vielmehr die Anzahl der Unternehmen, die das Factoring für sich nutzten, deutlich gestiegen ist.

Was ist beim Factoring für Unternehmen heute wichtig?

Bei diesem Finanzierungsmodell steigert ein Unternehmen seine Liquidität, indem es eigene Forderung an den Factoring-Anbieter verkauft. Das bietet Vorteile:

  • Liquidität – ein Unternehmen braucht nicht auf den Rechnungsausgleich durch Dritte zu warten, sondern erhält den Rechnungsbetrag abzüglich einer Gebühr direkt nach dem Verkauf an das Factoring-Unternehmen.
  • Investitionen – in Wachstumsphasen können Unternehmen weiterhin investieren, da das Factoring die Liquidität unmittelbar steigert und sich gleichfalls positiv auf die Eigenkapitalquote auswirkt.

Es gibt zwei verschiedene Modelle, die als »echtes Factoring« und »stilles Factoring« bezeichnet werden. Das ursprüngliche Factoring im Überblick:

  • Erbringung – ein Unternehmen erbringt eine Leistung oder verkauft eine Ware und stellt diese seinem Kunden in Rechnung, wobei diese Rechnung bereits einen Abtretungsvermerk enthält. Wichtig für das Factoring ist, dass diese Forderungen tatsächlich existieren und einforderbar sein muss. Ein Handwerksbetrieb, der soeben ein komplettes Bad saniert hat oder ein Unternehmen, welches soeben Maschinen an einen Kunden verkauft hat, können es also nutzen.
  • Factoring-Anbieter – er wird nun ins Boot geholt, um die Rechnung vom Unternehmen zu erwerben. Bevor dies geschieht, wird die Bonität des Endkunden überprüft. Fällt die Prüfung positiv aus, verkauft das Unternehmen die Rechnung an den Factoring-Anbieter.
  • Zahlung – das Unternehmen erhält nun innerhalb von 48 Stunden das Geld. Die Summe beläuft sich, je nach Vertrag, auf 80-90 Prozent der Bruttoforderung.
  • Übergang – mit dem Verkauf der Rechnung und der Bezahlung durch den Factoring-Anbieter geht die Forderung vollständig an den Factoring-Anbieter über. Er muss nun das Geld vom Rechnungsempfänger eintreiben.
  • Zweite Zahlung – hat der Factoring-Anbieter das Geld vom eigentlichen Rechnungsempfänger erhalten, zahlt er einen Teil der Restsumme an das Unternehmen.

Welche Gebühren bei diesem Modell anfallen, hängt vom Factoring-Anbieter selbst ab.

Neben diesem Modell, welches durchaus als »offen« bezeichnet werden kann, gibt es zahlreiche andere Factoringleistungen, die oft als »stilles Factoring« bezeichnet werden. Bei der ursprünglichen Variante weiß der Endkunde von der Forderungsabtretung, da er die Rechnungssumme direkt an den Factor überweisen muss. Dieses Modell ist vielen Unternehmen unangenehm, da manchmal befürchtet wird, der Kunde könnte eine finanzielle Schieflage eines Unternehmens vermuten. Gerade bei kleineren Mittelstandsunternehmen könnte diese Vermutung durchaus negative Auswirkungen haben, wenn sie weitergetragen wird. Daher kommt das stille Factoring ins Spiel:

  • Ablauf – der Ablauf unterscheidet sich nicht großartig. Der markante Unterschied ist, dass auf der Rechnung kein Abtretungsvermerk steht und der Rechnungsempfänger weiter an das Unternehmen zahlt.
  • Innenverhältnis – zwischen dem Unternehmen und dem Factor kommt es zu einem Vertrag. In der Regel eröffnet ein Unternehmen ein neues Konto, das an den Factor abgetreten oder verpfändet wird. Der Kunde zahlt nun auf das Konto, welches nach außen wie ein gewöhnliches Geschäftskonto des Unternehmens wirkt.

Eine weitere Form des Factorings, die zwar von vielen Factoringanbietern geboten wird, aber eher unter die Vorfinanzierung bzw. das Finetrading zählt, ist die Warenvorfinanzierung. Der Factor kauft in diesem Fall keine Rechnung eines Unternehmens ab, sondern geht für dieses in Vorkasse, wenn es Waren über Dritte einkauft. Da der Factoringanbieter die Ware sogleich beim Lieferanten bezahlt, kommt der Skonto zur Geltung, dessen Höhe schließlich die Gebühr des Factors ist. Im Verhältnis Unternehmen und Factor wird die Rückzahlung der

vorfinanzierten Summe beschlossen, wobei die Frist häufig mehrere Monate dauert. Auch hier ist das Unternehmen sogleich liquide, kann Waren günstig erwerben, bleibt handlungsfähig, muss jedoch nach Fristablauf die vorfinanzierte Summe an den Factor abgeben.

Factoringanbieter miteinander vergleichen

Die Zahl der Factoringanbieter ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, sodass Unternehmen die Angebote gut miteinander vergleichen können. Zusätzlich gibt es heute ein passendes Vergleichsportal, mit dem sich die Anbieter genauer unter die Lupe nehmen lassen. Einfaches Factoring, richtete sich bei Angeboten einst eher an Großbetriebe mit entsprechenden Rechnungen, können heute auch kleine Betriebe die Dienste in Anspruch nehmen. Ein wenig anders verhält sich dies beim Finetrading, da hier in der Regel Mindestbeträge im deutlich 5- bis 6-stelligen Rahmen erwartet werden.

Cash Flow
Eine Sicherstellung der Liquidität ist für Unternehmen und Gründer entscheidend.

Fazit – Factoring ist eine gute Hilfestellung

Die verschiedenen Arten des Factorings sind gute Hilfestellungen für Unternehmen und Betriebe, um weiterhin liquide zu bleiben, obgleich die Zahlungsfristen an ihre Kunden noch weiterlaufen. Gerade Anschaffungen können durch den sofortigen Gelderhalt weiterhin angestrebt werden, ohne dass auf Forderungsausgleiche gewartet werden muss. Welches Factoring für einen Betrieb infrage kommt, muss selbst entschieden werden. Es mag sinnvoller sein, als Kleinbetrieb auf dem Land die stille Variante zu wählen, während für Unternehmen, die im B2B-Bereich tätig sind, auch das offene Factoring mühelos genutzt werden kann. Im rein geschäftlichen Bereich ist die Akzeptanz und natürlich das nötige Hintergrundwissen wesentlich größer, während Privatpersonen beim Hinweis auf eine Rechnungsabtretung rasch falsche Schlüsse ziehen können.

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