Start Allgemein Fußball als Geschäftsidee – so rollen Ball und Rubel

Fußball als Geschäftsidee – so rollen Ball und Rubel

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Geld mit Fussball verdienen
Bild: Soccer ball with euro banknotes isolated on white. Vertical format Bildquelle: 228594763 – ABB Photo / Shutterstock.com

Christiano Ronaldo oder David Beckham, wer an diese Kicker denkt, dem fallen nicht nur sensationelle Freistoßtore ein, sondern auch Designerkleidung, Parfümerie oder Sportdrinks. Die Bekanntheit vieler Fußballstars begründet sich nicht einzig und alleine auf ihr Können auf dem Fußballplatz, sondern auch auf das, was sie neben dem Platz leisten. Manche Fußballer sind zu rentablen Markennamen geworden. Doch auch abseits der Welt der Stars und Sternchen gibt es viele weniger bekannte Persönlichkeiten, die dank innovativer Geschäftsideen enorm von König Fußball profitieren. Zwar generieren nicht sämtliche Ideen Millionenumsätze, für ihre Betreiber stellen diese Projekte dennoch lukrative Einnahmequellen dar.

Mit den schönsten Freistößen zum Millionenpublikum

2010 gründete Konstantin Hert aus Stuttgart seinen YouTube-Channel „freekickerz“. Damals ahnte der ehemalige Student noch nicht, welchen Hype er mit seiner Sammlung der besten Freistoßvideos lostreten würde. Heute, gute fünf Jahre später, ist der YouTube-Kanal mehr als bloß ein Sammelsurium an einmaligen Fußballvideos. Mittlerweile darf sich der Fußballkanal über 3,4 Millionen Abonnenten freuen, womit sich das Projekt laut Social-Media-Statistikdienst Socialblade.com als einer der erfolgreichsten Fußball-Channels der Welt bezeichnen darf.

Und damit nicht genug. Auch im Gesamtranking in der Rubrik Sport steht „freekickerz“ nicht allzu schlecht dar. Platz sieben lautet der derzeitige Rang. Geschlagen geben muss sich Konstantin Hert nur amerikanischen Größen wie der NBA oder dem Wrestlingverband WWE. Dass sich aus dieser Reichweite selbstverständlich großes Vermarktungspotential ergibt, dürfte auch klar sein. Dennoch gibt sich der Studienabsolvent der Wirtschaftswissenschaften bedeckt. Vor allem glaubwürdig wolle man bei „freekickerz“ bleiben. Den Abonnenten sollen unabhängige Meinungen und Testurteile gewährt werden, ob nun von Adidas-Bällen oder den neuesten Fußballschuhen von Nike.

Testvideos sind nämlich mittlerweile ebenfalls eine feste Rubrik beim Kicker-Projekt. Doch wenn es keine rentablen Deals für Produktplatzierungen gibt, wie generiert das Projekt Umsätze? Zum einen ist hier der Shop der Freekickerz zu nennen, zum anderen aber gewiss auch die Video-Ads, die laut Konstantin Hert den größten Teil der Einnahmen ausmachen. Welche Summen konkret in die Tasche des 29-jährigen fließen, bleibt unbekannt, dass eines der erfolgreichsten Fußball-Portale der Welt auf YouTube aber gewiss ein rentables Projekt darstellt, daran dürfte es keinen Zweifel geben.

Die große Welt der Online-Wetten

Es gibt viele Geschäftszweige, die von der rasanten Entwicklung des Internets profitiert haben, nur wenige dürften aber die Erfolge nachzuweisen haben, die es in der Welt der Fußballwetten zu finden gibt. Weltweit betrachtet generiert die Wettbranche Umsätze in dreistelliger Milliardenhöhe – und das jährlich. Tipico, Bwin oder bet365 heißen die Big Players, die allmählich auch in Deutschland Fuß fassen, nicht zuletzt aufgrund der Liberalisierung des Glücksspielmarkts.

Wie hoch die Umsätze in Deutschland genau sind, das kann allerdings nicht präzise gesagt werden. „Die Situation in Deutschland ist noch immer sehr schwierig, da die Höhe der Umsätze nur auf Basis der abgeführten Steuern im jeweiligen Land abgeschätzt werden kann. Viele deutsche Spieler greifen aber auf ausländische Wettanbieter zurück. Schätzungen zur Folge liegt der jährliche Umsatz der hierzulande lizenzierten Wettanbieter bei über drei Milliarden Euro“, so Sportwettenexperte Heinz Patzelt.

Dieser betreibt selbst seit einiger Zeit das erfolgreiche Internetportal für Sportwetten sportwettentest.net. Auf seiner Seite werden Wettanbieter, die in Deutschland agieren, getestet. Dabei wird sich nicht nur auf Wettquoten oder lukrative Bonusangebote konzentriert, sondern auch auf Kriterien wie Seriosität oder Kundenservice. Für die Vermittlung eines neuen Kunden erhält Heinz Patzelt eine Provision. Aber kann sportwettentest.net auf diese Weise wirklich objektiv bleiben?

„Wir leben von unserer Reputation. Wenn wir unseren Ruf als unabhängiges Testportal verlieren, dann würde dies das Ende von sportwettentest.net bedeuten. Nur durch unsere Objektivität vertrauen und Besucher unserer Webseite. Wenn sie beim Bookie nicht das vorfinden, was wir in unseren Testberichten versprechen, verlieren wir unseren Ruf. Schlussendlich bringt es uns auch gar keinen Vorteil, einen Online-Buchmacher zu bevorzugen“, so Heinz Patzelt, der mittlerweile vom den Einnahmen, die seine Webseite generiert, sehr gut leben kann. Dies ist auch nicht verwunderlich, immerhin erfährt die Wettbranche einen ungeahnten Aufschwung in Deutschland. Durch die Öffnung des Marktes für private Wettanbieter, Sponsoring-Verträge mit Bundesligavereinen und kluge Werbekampagnen erfahren Wettanbieter einen ungeahnten Kundenzuwachs.

Deutschland (nicht) das Maß aller Dinge

Rein sportlich steht der deutsche Fußball eigentlich ganz gut dar. Und auch wirtschaftlich haben sich die meisten Klubs nichts zuschulden kommen lassen. Circa zwei Milliarden Euro sind bis zur Winterpause in die Kassen der deutschen Erstligavereine gespült worden. Allerdings entstammt nur ein geringer Teil davon den Zuschauereinnahmen. Mit durchschnittlich 30 Euro pro Ticket können Fußballfans in Deutschland relativ günstig ins Stadion pilgern. In England muss teilweise das Fünffache bezahlt werden.

Geld mit Fussball

Doch leider ist der englische Fußball in puncto Einnahmen dem deutschen Fußball weit voraus. Grund hierfür sind milliardenschwere TV-Deals, die es in Deutschland nicht gibt. Neben dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wo lediglich Spielzusammenschnitte in der wöchentlichen ARD Sportschau zu sehen sind, besitzt der Pay-TV-Sender Sky die Markthoheit. Doch wenig Wettbewerb hat geringe Einnahmen für deutsche Klubs zur Folge.

Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Begeisterung für den Ballsport in Deutschland nachließe, ganz im Gegenteil. Knapp 19 Milliarden Zuschauer sind 2014/2015 in die Stadien der 1. und 2. Bundesliga geströmt, Tendenz steigend, sofern es die Kapazität der Stadien noch zulässt. Was den Zuschauerschnitt anbelangt, gibt es in kaum einer anderen Liga der Welt derartig stete Zuschauerströme. Das Marketingpotential im Bereich Fußball ist also weiterhin sehr hoch, geeignete Nischen zu finden, wird allerdings immer schwieriger.

Denn ob nun YouTube-Channel, Tests von Sportwettenanbietern oder Social-Media-Projekte, es gibt eigentlich nichts, das es über den Fußball derzeit noch nicht gibt. Sich eine herausragende Marktstellung zu erarbeiten, das ist kaum noch möglich. Ein gutes Beispiel dafür, wie es dennoch funktionieren kann, zeigt das Fußballportal 11Freunde. Das „Magazin für Fußballkultur“ berichtet täglich über Ereignisse aus der Welt des Fußballs, aber stets auf eine humorvolle Art und Weise und nähert sich dem Fußball eben nicht durch trockene Ergebnisse und Spielberichte, sondern durch eine humorvolle Berichterstattung. Mit derzeit 33.000 Abonnenten und einer Druckauflage von knapp 130.500 Exemplaren sprechen die Zahlen für das Kicker-Magazin. Wer wirtschaftlichen Erfolg mit dem Fußball haben will, muss also auffallen. Leicht ist dies hierzulande ganz bestimmt nicht, aufgrund der Begeisterung im Lande für den Fußball zahlen sich erfolgreiche Projekte aber gleich doppelt aus.

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