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Gibt es noch eine andere Möglichkeit als den Businessplan?

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Gibt-es-noch-eine-andere-Moeglichkeit-als-den-Businessplan„Wie man eine Geschäftsidee entwickelt“

Wer eine Finanzierung von außen anstrebt, egal ob auf dem klassischen Weg durch Banken oder alternativ durch Investoren, kommt an der Erstellung eines Businessplans nicht vorbei. Der Businessplan wird aufgrund von Marktforschungsdaten, eigenen Annahmen und der Einschätzung von Fachleuten erstellt. Die Aussagen und Zahlen entbehren nicht einer gewissen Grundlage. Der Businessplan trifft Aussagen, die mit der Realität nicht zwangsläufig übereinstimmen müssen. Die involvierten Parteien müssen sich die Frage stellen, ob die im Businessplan niedergelegten Aussagen in vier bis fünf Jahren noch anwendbar sind. Kann jemand für sich in Anspruch nehmen, über einen derartig langen Zeitraum in die Zukunft zu blicken? Ist es realistisch, Umsätze, die über die ersten zwei Jahre hinausgehen, zu planen? Wer weiß, was in der Zwischenzeit alles passiert. Alleine die heutige geopolitisch explosive Lage mit vielen kriegsähnlichen Zuständen in der Ukraine, in Israel und Palästina, in Syrien und im Irak trägt viel dazu bei, dass die globale Wirtschaftslage von einem Tag in Schieflage geraten kann. Internetbasierte Geschäftsmodelle versetzen Gründer in die Lage, ohne Fremdkapital von Banken zu starten. Es ist sinnvoller, ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen und eine gute Webseite zu lancieren, anstatt viel Zeit mit der Erstellung eines Businessplans zu verbringen, nur um im Nachhinein festzustellen, die Realität sieht doch ganz anders aus als vermutet.

Alternative Geldgeber

Die wenigsten Startups können externe Finanzquellen wie Banken, Business-Angels oder Investoren von ihrer Geschäftsidee überzeugen. Die einfachste Bezugsquelle für Fremdkapital besteht für Kleinunternehmer innerhalb der Familie oder im Freundeskreis. Wenn man Glück hat, haben die Eltern etwas Geld zur Seite gelegt, man hat einen reichen Onkel oder überzeugt Freunde, in die Geschäftsidee einzusteigen. Alternative Geldgeber aus dem persönlichen Umfeld werden mit dem umfangreichen und komplizierten Zahlenwerk des Businessplans wenig anfangen können, es sei denn, sie sind selbst Experten. Das Zauberwort heißt Bootstrapping. Eine weitere beliebte Finanzierungsquelle ist das „Crowdfunding“. Bei dieser unkonventionellen Finanzierungsmethode finanziert die anonyme Masse der Internetnutzer die zur Finanzierung stehenden Projekte und Geschäftsideen der Startup-Gründer. Jedes Mitglied der Crowdfunder trägt im Verhältnis zu der Mindestkapitalmenge einen geringen Finanzierungsanteil. Jede zu finanzierende Aktion wird durch eine Mindestkapitalmenge gezeichnet, bevor sie startet. „my sherpas“ und „Startnex“ sind zwei renommierte deutschsprachige Crowdfunding-Plattformen. Der bekannteste internationale Crowdfunder ist Kickstart aus den USA. Crowdfunder lesen keinen Businessplan, sie müssen von der Geschäftsidee überzeugt sein.

Die Zeit überholt die Idee

Ein Businessplan basiert auf den Annahmen des Gründers. Diese Annahmen bezieht der Jungunternehmer aus den Gegebenheiten, die zum Zeitpunkt der Erstellung vorherrschend sind. In der Technologie- und Internetbranche begegnen wir regelmäßig Neuerungen. Der Businessplan versucht, verlässlich in die Zukunft zu blicken und plant sein Zahlenwerk in der Regel für drei bis fünf Jahre. Manchmal dauert es nicht einmal sechs Monate, bis das Zahlenwerk und die Annahmen des Businessplans überholt sind oder sich selbst überlebt haben. Selbst der Experte Alexander Osterwalder sagt: „Ich glaube immer mehr Unternehmer und Investoren realisieren, dass es keinen Sinn macht an einem Planungsdokument festzuhalten, in einer Welt, in der man nicht planen kann.“

Wer liest den Businessplan?

In der Regel liest niemand den Businessplan von der ersten bis zur letzten Zahl. Banker und Investoren lesen die Zusammenfassung, um sich schnell einen Überblick zu verschaffen. Dieses kurze Regelwerk reicht aus, um ihre Entscheidungsfindung in Gang zu setzen. Anschließend wenden sie sich den bankinternen Zahlen sowie der Bonitätsüberprüfung zu und fangen an, zu rechnen. Banker ziehen interne Listen hinzu, die jede Branche in Risikokategorien einteilen. Hat ein Gründer sich der falschen Branche zugewendet, nützt ihm sein sorgfältig erstellter Businessplan wenig, er wird keine Finanzierung durch die Bank bekommen, es sei denn, er kann persönliche Sicherheiten, zum Beispiel Bürgschaften, vorweisen.

Fazit

Dieser Blogbeitrag soll sich nicht gegen die Erstellung eines Businessplans richten, sondern Denkanstöße in alternative Richtungen geben.

Ohne Businessplan kommen Gründer heutzutage noch nicht aus. Jeder Neuunternehmer muss planen und ein Businessplan ist sicherlich hilfreich. Der Planungsprozess wird schnell vom Lauf der Zeit überholt und sollte sich nicht nur auf das Zahlenwerk des Businessplans verlassen. Geldgeber sollten sich mehr auf das Geschäftsmodell konzentrieren und den Gründer und sein Marketingkonzept auf einen kritischen Prüfstand stellen. Als Dokument wie wir es heute kennen wird der Businessplan in der Zukunft verschwinden, meinen Experten. Eine praktische Planungshilfe ist der „Plan Cruncher“ von Lunatec Ventures oder „Business Model Canvas“. Der Austausch mit Gleichgesinnten kann hilfreich sein. Sie fungieren als Sparringpartner und helfen, die eigene Idee ständig zu verbessern. Manche Experten ziehen eine kurze, dreiseitige prägnante Zusammenfassung der Geschäftsidee einem seitenlangen Businessplan vor. Weitere beliebte Planungshilfen sind die Plattformen „Trello“ (https://trello.com/) und „Gust“ (http://gust.com).

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