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Interview mit Dr. Jan Peter aus der Moore / Cornelsen Ecademy

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Bild der neuen Cornelsen Ecademy

Im Interview mit Dr. Jan Peter aus dem Moore, Geschäftsführer der Cornelsen Ecademy. Im Zuge des Launches des neuen online Tools Ausbildung Digital, steht Dr. Jan Peter aus dem Moore, Rede und Antwort.

1. Seit 2018 sind Sie Mitglied der Geschäftsführung der Cornelsen eCademy GmbH. Wo haben Sie vorher gearbeitet?

Nach meinem Studium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre promovierte ich in der empirischen Arbeitsmarktforschung. Vor meiner Tätigkeit bei der Cornelsen eCademy habe ich bei McKinsey in der Unternehmensberatung gearbeitet. Ich habe öffentliche und private Organisationen zu digitalen Reformations- und Transformationsprojekten beraten. Das Hauptaugenmerk lag auf den Bereichen Bildung und Arbeitsmarkt.

2. Mehr als zwölf Jahre waren Sie bei McKinsey & Company tätig. Was hat Sie zu einem Wechsel zur Cornelsen eCademy GmbH bewegt?

Zumeist begleitet man als Berater für die Kunden ähnliche Projekte nur in der frühen Strategie- und Pilotphase, also über einen kurzen Zeitraum. Eine längerfristige Betreuung in der operativen Umsetzung erfolgt nur selten. Der Grund für meinen Wechsel zur Cornelsen eCademy war die Möglichkeit, die Entwicklung dieses Unternehmens in Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären, dynamischen Start-Up-Team und einem führenden deutschen Bildungsanbieter mitzugestalten. Das motiviert mich vor allem jetzt täglich, da die Digitalisierung in der Aus- und Weiterbildung nun auch in Deutschland einen Aufschwung erlebt und an Dynamik gewinnt.

3. Wo sehen Sie bei der Cornelsen eCademy Ihre Chancen, um das Unternehmen mit Ihrer Expertise zu bereichern?

Der Aufbau effektiver und innovativer Lernangebote begeistert mich. Das macht meine Verbindung zur Cornelsen eCademy aus. Mitarbeiter von Unternehmen haben mit solchen Lernangeboten neuartige Möglichkeiten zur Entwicklung ihrer Potenziale. Mir ist es wichtig, diesen Aufbau zu unterstützen, da er von enormer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung ist, um im internationalen Wettbewerb in Zeiten des rasanten technologischen Wandels bestehen zu können. Dabei ist die Ausbildung und Qualifizierung von Mitarbeitern für die Anforderungen des sich verändernden Arbeitsmarktes ein entscheidender Faktor.
Die Entwicklung von Modellen zur nachhaltigen Deckung der Nachfrage nach gut qualifizierten Fachkräften im technischen Bereich der Industrie 4.0 ist in Deutschland besonders wichtig. In der Entwicklung solcher Modelle in Partnerschaft mit den Kunden sehe ich meine Expertise. Da ich in meiner vorherigen Tätigkeit einen ganzheitlichen strategischen Blick auf Geschäftsmodelle gewinnen konnte und auf ein Netzwerk aus vielen internationalen Projekten zugreifen kann, sehe ich große Chancen für mich.

4. Wie muss man sich Ihre Tätigkeit bei der Begleitung des Aufbaus von Plattformen für digitales Lernen vorstellen, die für Schul- und Hochschulsysteme in Europa, im Nahen Osten und Afrika zur Verfügung stehen? 

Noch immer haben Hunderte Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu hochwertigen Bildungs- und Weiterbildungsangeboten. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Schwellenländern in Afrika und im Nahen Osten ist jünger als 25 Jahre. Gerade bei diesen Menschen besteht ein hoher Zeitdruck in Sachen Bildung. Digitale Lernplattformen stellen einen wichtigen Bereich einer skalierbaren Lösung dar, denn die Begeisterung, solche digitalen Angebote zu nutzen, ist ebenso vorhanden wie die technische Infrastruktur. Oft ist der Aufbau einer klassischen Infrastruktur vor Ort nicht möglich oder ineffizient, da es an Lehrkräften mangelt. Bei den von mir unterstützten Projekten stand die Entwicklung von Strategien und Lösungen in Public-Private-Partnerships (PRP) mit öffentlichen Ministerien, Unternehmen als Investoren und Arbeitgebern sowie öffentlichen und privaten Bildungsanbietern im Vordergrund. Diese Lösungen wurden in einem Piloten und proof-of-concept validiert und in der Umsetzung begleitet.

5. Was genau ist die Cornelsen eCademy und welches Ziel verfolgt sie?

Die Cornelsen eCademy bietet Lösungen für die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften in Unternehmen an. Sie stellt digitale Lernangebote bereit und unterstützt Unternehmen bei deren optimaler Integration im betrieblichen Alltag. Das ist mit Medienkompetenz im Bereich des digitalen Lernens für Lerner und Ausbilder in Betrieben sowie mit Methoden- und Konzeptworkshops zu Blended Learning Modellen möglich.

6. Wie wird die Ausbildung der Zukunft aussehen und wie wirkt sich die Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt aus?

Aufgrund der rasanten Verbreitung von Digitalisierung- und Automatisierungstechnologie, verbunden mit Datenintelligenz inklusive künstlicher Intelligenz und Machine Learning, Robotik und globaler Vernetzung in der Cloud wird sich der Arbeitsmarkt künftig weiterhin stark verändern. Abhängig von der Branche und Technologie wird sich diese Veränderung unterschiedlich stark vollziehen. Schon jetzt ist im Kontinuum Mensch vs. Maschine eine Verschiebung in zahlreichen Bereichen sichtbar.
Das ist kein Grund für Schwarzmalerei und stellt auch keinen Automatismus dar, der einen Wegfall von Arbeitsplätzen oder eine schlechtere Entlohnung der verfügbaren Arbeit für große Teile der Bevölkerung bedeutet. Das Gegenteil ist der Fall, denn in der Interaktion zwischen Mensch und Maschine im internationalen Wettbewerb müssen die verfügbaren Fachkräfte so qualifiziert werden, dass sie neue Geschäftsmodelle, Dienstleistungen und Produkte schaffen können, die zur nachhaltigen Schaffung von neuen Arbeitsplätzen in verschiedenen Sektoren führen. Anders als bei meinen Erfahrungen im Ausland ist in Deutschland dafür nicht immer genügend Mut und Entschlossenheit vorhanden. Das kurzfristige Besitzstandswahren führt zur Verweigerung erforderlicher Veränderungsprozesse, was ein Risiko für Zukunft und Wohlstand der kommenden Generationen darstellt.

7. Können Sie an einem Beispiel den Entwurf von Bildungslösungen für Kunden erläutern?

Bildungslösungen im außerschulischen Bereich orientierten sich in der Vergangenheit oft an engen curricularen Vorgaben aus Rahmenlernplänen, die eine Umsetzung mehr oder weniger klar definierter Lernziele in Bildungsangebote bedeuteten. Der Prozess war nach fachlicher Expertise strukturiert. Mit den Nutzern und den tatsächlichen Kunden gab es nur wenig Interaktion und Feedback.
Neuartige Methoden wie Design thinking oder Design sprints haben inzwischen mehr und mehr an Bedeutung gewonnen. Die Bedürfnisse der Lerner können auf der Basis einer ganzheitlichen Analyse frühzeitig ermittelt und durch das Feedback aus der Praxis an die richtige Adresse geleitet werden. Moderne Bildungslösungen sind auch durch die Interaktion mit den Nutzern gekennzeichnet. Das Design ist interdisziplinär konzipiert und insgesamt ganzheitlicher. Ein Vorteil besteht darin, dass im Betrieb, zu Hause oder unterwegs das tatsächliche Anwendungskonzept der Bildungslösung stärker berücksichtigt wird. Das führt zu neuen und spannenden didaktischen Ansätzen. Die kontinuierliche Einbindung von Ausbildern und Fachexperten von Kundenunternehmen in die Weiterentwicklung der Lernplattform und Inhalte ist ein Beispiel, wie die Cornelsen eCademy eine aktive Mitgestaltung ermöglicht.

8. Wo sehen Sie die Stärken der Cornelsen eCademy und wie unterscheiden sie sich von der Konkurrenz?

Die Cornelsen eCademy sieht sich als Pionier in der digitalen Ausbildung und legt den Fokus auf technisch-gewerbliche Berufe. Die Breite des Portfolios gehört zu unseren Stärken. Wir decken mit unseren Lerninhalten die wichtigsten Berufsbilder ab. Gemeinsam mit unseren Partnern und Kundenunternehmen arbeiten wir ständig an neuen Modulen. Dabei beziehen wir auch neue Medientypen und Formate ein. Da es nicht nur um einen kurzfristigen Hype um ein bestimmtes Format oder einen Inhalt geht, kommt es auf inhaltliche Tiefe und eine gut überlegte Didaktik an. Für die Nutzer muss ein nachhaltiger Lernerfolg sichergestellt werden. Unsere Kunden unterstützen wir auch mit einem umfassenden Angebot an Service und Beratung. Um digitale Lernangebote erfolgreich einzusetzen, ist zwischen den Beteiligten ein kontinuierlicher Charge-Management-Prozess von Bedeutung.

Das Bild zeigt Menschen in der Ausbildung zum Fachpersonal9. Welche namhaften Unternehmen sind bereits Partner der Cornelsen eCademy?

Zu den Partnern der Cornelsen eCademy gehören zahlreiche DAX- und Großunternehmen wie BMW, Deutsche Bahn, Procter & Gamble oder Bayer/Covestro. Darüber hinaus verfügen wir über weitere große Kunden, die uns wichtig sind, da sie uns Impulse geben und einen hohen Bedarf an skalierbaren Lösungen haben. Wir arbeiten auch mit vielen Unternehmen aus dem Mittelstand zusammen. Sie sind uns wertvolle Partner, da sie sich für die Gewinnung und Qualifikation von Fachkräften engagieren und innovative Ansätze zeigen.

10. Welche großen Pläne verfolgt die Cornelsen eCademy?

Im nächsten Quartal wollen wir unsere neue Lernplattform herausbringen und unsere Lerninhalte in ein neues, modulares didaktisches Konzept einbinden. Die Nutzung für unsere Kundenunternehmen wird damit deutlich flexibler.
Zahlreiche neue spannende Projekte warten in der Pipeline. Die bessere Integration von Angeboten zum Erlernen und Nutzen einer Fachsprache, neue Inhalte von Digitalisierung und Industrie 4.0, aber auch gemeinsame Lernangebote in Zusammenarbeit mit unseren Kollegen im Cornelsen Verlag gehören dazu.
Künftig wollen wir einen Beitrag dazu leisten, die Vision von lebenslangem Lernen für die Nutzer in Aus- und Weiterbildung in die Tat umzusetzen und klassische Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

11. Welche Möglichkeiten zum digitalen Lernen wird es in zehn Jahren geben?

Ich sehe die stärkere Flexibilisierung und Personalisierung als größte Chance im digitalen Lernen. Bei Bedarf sollten künftig im Alltag von Schule, Studium und Beruf individuell passgenaue und qualitativ hochwertige Lernangebote verfügbar sein. Entsprechend der Lernhistorie sollten diese Angebote genau dann bereitstehen, wenn sie benötigt werden.
Diese Möglichkeit ist aus technologischer Sicht sicher vorhanden. Wichtig ist jetzt die Schaffung der richtigen Standards und der organisatorisch-rechtlichen Rahmenbedingungen. In Deutschland müssen die Bedingungen des Datenschutzes berücksichtigt werden, doch sollten dadurch keine Barrieren entstehen. Selbst wenn der Nutzer explizit eine Personalisierung wünscht und wenn es der individuellen Förderung und letztendlich der Sicherung der eigenen beruflichen Laufbahn dient, darf ein Angebot nicht personalisiert werden. Die Diskussion über den ethischen Umgang mit den Daten hat gerade erst begonnen. Um verlässliche Regeln zu schaffen, muss sie auch im Bildungsbereich zügig fortgesetzt werden. Zwischen den Schutzbedürfnissen und der Offenheit für Neues muss eine Balance geschaffen werden. Nur so kann die Effektivität der digitalen Lernangebote gesteigert werden.

Herzlichen Dank für das tolle Interview und die spannenden Einblicke, die Sie unseren Lesern und Leserinnen gegeben haben.

Das Interview mit Dr. Jan Peter wurde von Dominik Ley geführt.

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