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Präsentismus – Arbeiten trotz Erkrankung

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Praesentismus---Arbeiten-trotz-ErkrankungPraesentismus---Arbeiten-trotz-ErkrankungPräsentismus ist ein Wirschaftsanglizismus, den wir aus der englischen Sprache übernommen haben. Er leitet sich ab von dem englischen Verb „to be present“, anwesend sein. In der Unternehmenskultur verbirgt sich hinter diesem Verhalten ein Muster, das in vielen Fällen selbstverständlich geworden ist: Mitarbeiter kommen zur Arbeit, obwohl sie krank sind. Dieses Phänomen wird hinsichtlich seiner Wirtschaftlichkeits- und Risikoaspekte unterschätzt. Für das Personalmanagement ist es in der Regel nicht einfach, Präsentismus zu erkennen. Wann handelt es sich um eine einfache Erkältung und harmlose Kopfschmerzen, die der Betroffene durchaus mit Medikamenten kurieren und anschließend zur Arbeit erscheinen kann? Wann handelt es sich um eine ernstzunehmende Erkrankung, mit der Arbeitnehmer unbedingt zu Hause bleiben müssen?

Wie begegnet das Personalmanagement Präsentismus?

Betroffene Arbeitnehmer erscheinen trotz krankheitsbedingter, verminderter Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz. Die Gründe für dieses Verhalten sind so verschiedenen wie die Erkrankungen selbst: falsch verstandenes Pflichtbewusstsein, Angst um den Arbeitsplatz, Selbstüberschätzung oder die Befürchtung, dass einen die Kollegen und Vorgesetzten für einen Hypochonder, einen arbeitsscheuen Drückeberger oder ein Weichei halten. Besonders in deutschen Unternehmen rümpfen Kollegen und Mitarbeiter über kranke Mitarbeiter schnell die Nase und sind der Meinung, sie übertreiben, wenn sie sich krankmelden. Dabei haben amerikanische Studien unlängst bewiesen, dass die durch Präsentismus verursachten Produktivitätsverluste und Kosten viel höher sind, als wenn die betroffenen Mitarbeiter sich zu Hause auskurieren und nach der Genesung wieder mit vollem Einsatz dabei sind. Besonders bei nicht exakt definierbaren Krankheitssymptomen wie Erschöpfungszuständen (Burn Out) oder anderen physischen oder psychischen Erkrankungen erscheinen die erkrankten Mitarbeiter am Arbeitsplatz. Auch andere saisonale Erkrankungen wie Grippe, Lungenentzündung, Heuschnupfen und allgemeine Erkältungen gehören zu den Krankheiten, die gerne übersehen werden, selbst dann, wenn es schon nicht mehr geht. Viele Betroffene meinen, ihr Problem durch die Einnahme von Medikamenten lösen zu können. Arbeiten die betroffenen Mitarbeiter trotz ihrer Erkrankung weiter, kann es passieren, dass sie ihren Leistungsstandard nicht einhalten und Fehler machen. Diese Leistungseinschränkung macht sich jedoch nicht ausschließlich wirtschaftlich und finanziell auf Unternehmensebene bemerkbar, sondern kann auch zu eklatanten Sicherheitsrisiken und damit zusammenhängenden Arbeitsunfällen führen. Insbesondere im Bereich der Maschinenführung und dem Führen von Kraftfahrzeugen und LkWs sind diese leistungseingeschränkten Mitarbeiter nicht ausschließlich eine Gefahr für sich selbst, sondern auch für ihre Umgebung.

Fällt die notwendige Zeit der Rekonvaleszenz aus, verzögert sich der Genesungsprozess und verlängert damit am Ende die tatsächliche Ausfallphase, die das Unternehmen viel mehr Geld kostet, da sie wesentlich länger dauert als ein kurze krankheitsbedingte Abwesenheit. Die durch den anfangs noch gut gemeinten Präsentismus verursachten negativen Kosten und Produktivitätseinbußen nehmen weiter zu. Die krankheitsbedingte Abwesenheit der betroffenen Mitarbeiter lässt sich durch das Personalmanagement genau dokumentieren. Präsentismus dagegen lässt sich nicht objektiv messen und in Zahlen und Fakten dokumentieren. Zieht sich eine Krankheit hin, wird sie durch den Präsentismus verschleppt, führt sie zu langfristigen Fehlzeiten. Der Trend in deutschen Unternehmen geht immer noch in die Richtung, dass Krankheiten ignoriert und als nicht „salonfähig“ wahrgenommen werden. Dabei sollten die Verantwortlichen schon aus eigenem wirtschaftlichem Interesse präventiv und fallbezogen vorsorgen, um hohe Kosten und langfristige Ausfallquoten zu vermeiden. Es ist nicht leicht für die Umgebung eines erkrankten Mitarbeiters, die unmittelbaren Ursachen und Wirkungszusammenhänge zu erkennen. Die Krankheit des betroffenen Mitarbeiters kann sowohl psychische als physische Ursachen haben. Die Ursachen können im privaten Bereich des Mitarbeiters liegen, aber auch mit seinem Arbeitsplatz zusammenhängen. Als Verantwortlicher des Personalmanagements sollten Sie die Situation des betroffenen Mitarbeiters erforschen. Es ist leichter für Sie, Informationen über seine Arbeitssituation als über sein Privatleben zu erhalten. Sie sollten sich auf den Aufgabenbereich und das kollegiale Umfeld des erkrankten Mitarbeiters konzentrieren. Hat er vielleicht Probleme mit den Kollegen? Fühlt er sich mit seinem Aufgabenbereich unter- oder überfordert? Gibt es Probleme mit Vorgesetzten? Wie sieht seine Leistungsbilanz der letzten Monate aus? Gibt es Abweichungen oder Auffälligkeiten? Der private Bereich ist dagegen nur schwer zu erfassen. Dennoch lohnt es sich, wenn Sie die Kollegen des erkrankten Mitarbeiters befragen, der eine oder andere weiß vielleicht doch etwas.

Die Einrichtung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements …

… kann die geeignete Maßnahme sein, um Präsentismus zu erkennen und diesem rechtzeitig entgegenzuwirken, um auf diese Weise langfristige Ausfälle der betroffenen Mitarbeiter zu verhindern. Richten Sie eine derartige innerbetriebliche Stelle ein, muss sie für die Mitarbeiter gut sichtbar, kostenfrei und leicht zugänglich sein. Die Einrichtung eines innerbetrieblichen Gesundheitsmanagements ist mit einer Vertrauensstellung vergleichbar. Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter, sich in Fällen krankheitsbedingter Probleme bereits in der Anfangsphase an diese Stelle zu wenden und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Das Gesundheitsmanagement ist dazu da, den Mitarbeitern die angstbesetzte Krankheitssituation zu nehmen und die Einsicht auf beiden Seiten zu fördern, dass Menschen keine Maschinen sind, die unentwegt unter allen Umständen fehlerfrei laufen und bei Ausfall nur kurz repariert werden. Sie sollten sich jedoch nicht nur in Krankheitsfällen an Ihre Mitarbeiter wenden, sondern generell darauf achten, dass sie auch tatsächlich gesund sind. Hierzu gehört eine offene Diskussionskultur in Ihrem Unternehmen, das Verhindern von Mobbing und das Gegeneinanderausspielen von Mitarbeitern, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Nur ein faires Miteinander, das alle Mitarbeiter nach den gleich Maßstäben misst und behandelt, führt zu einer gesunden Unternehmenskultur und damit zu einer Verringerung der Fehlquoten, krankheitsbedingten Leistungsausfällen und erhöhten Leistungsquoten.

Auch als Führungskraft sind Sie gefragt …,

… denn Sie haben eine Vorbildfunktion. Machen Sie klar, dass Sie sich gesunde Mitarbeiter in einem leistungsstarken Arbeitsumfeld wünschen und keine Heldentaten aufgrund von krankheitsbedingter Anwesenheit um jeden Preis. Geben Sie eine klare Richtung für Ihre Mitarbeiter vor. Kranke Mitarbeiter bleiben zuhause, gesunde erscheinen zur Arbeit. Diese klare Aussage entbindet Ihre Mitarbeiter von der unangenehmen Situation, sich erklären zu müssen, vielleicht sogar nach Ausreden und Ausflüchten zu suchen. An dieser Stelle angekommen, kann die Situation für beide Seiten unangenehm werden. Setzen Sie keine falschen Anreizsysteme wie etwa Prämienzahlungen für Mitarbeiter ohne Fehltage. Die Folge ist, dass auch ernsthaft erkrankte Mitarbeiter zur Arbeit erscheinen und bei ansteckenden Krankheiten gleich ganze Abteilungen an den Rand ihrer Arbeitsfähigkeit bringen. Mit dieser Vorgehensweise ist niemanden geholfen.

 

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