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Seed- oder Venture Capital – Ohne Moos nichts los

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Seed--oder-Venture-Capital---Ohne-Moos-nichts-losDie Finanz- und Wirtschaftsseiten unserer Tageszeitungen berichten wiederholt über Seed- oder Venture-Capital. Es handelt sich dabei um einen der vielen Wirtschaftsanglizismen, die wir aus der englischen Sprache übernommen haben. Vereinfacht gesprochen lassen sich diese Begriffe mit dem Sprichwort „ohne Moos nichts los“ übersetzen. Seed Capital kommt von dem englischen Begriff „to seed“, der sich mit den deutschen Verben etwas „säen“, „starten“ oder „beginnen“ übersetzen lässt. Das englische Wort „venture“ lässt sich mit den deutschen Begriffen „Abenteuer“ oder „Risiko“ übersetzen.

Die Investoren, in der Regel Business Angels oder Venture-Kapital-Geber, helfen Ihnen, mit diesem Geld Ihre Existenzgründung zu starten, Sie „säen“ etwas Neues. Gleichzeitig lassen sich Ihre Kapitalgeber auf ein Abenteuer oder ein Risiko ein, denn selbst wenn Ihr Kapitalbedarfs- und Businessplan Ihrer Geschäftsidee eine gewinnbringende Zukunft in Aussicht stellt, bleibt für die Kapitalgeber immer ein Restrisiko bestehen. Diese Art der Finanzierung ist im Vergleich zu anderen Investitions- und Kapitalbeschaffungs-Möglichkeiten vergleichsweise neu und gehört in den Bereich „New Economy“.

Die „drei F“

Welche Möglichkeiten verbergen sich hinter diesen Zauberwörtern, dieser Fachsprache, die Sie als Existenzgründer beherrschen müssen, wenn Sie Ihr Unternehmen nicht auf die klassische Weise durch ein Bankdarlehen in Form von Fremdkapital zu finanzieren möchten? Seed Capital steht Ihnen durch Ihre Kreditgeber als Anfangs- und Startkapital zur Verfügung. Es handelt sich um 100-prozentiges Startkapital, das Ihnen die Möglichkeit gibt, die ersten Monate Ihrer Existenzgründung ohne finanzielle Engpässe zu überstehen. Der unternehmerische Nachwuchs erhält Seed Capital von Förderinstituten, die sowohl staatlich als auch privat finanziert sein können. Die Technologie-Beteiligungsgesellschaft in Bonn oder das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie stellen Ihnen in den ersten Gründungsmonaten Seed Capital ohne sachliche oder persönliche Sicherheiten zur Verfügung. Der Investitionsmarkt für Seed Capital ist noch entwicklungsfähig. Experten sprechen von den „drei F“: „Family, Friends and Fools“. Demzufolge erhalten Sie Ihr Seed Capital von Familienmitgliedern, Freunden und Verrückten, von Leuten, die ein Risiko ein nicht scheuen.

Sind Sie soweit gekommen, sollten Sie sich auf die Suche nach weiteren Kapitalgebern machen, denn das Ihnen zur Verfügung stehende Seed Capital reicht nicht ewig. Ist Ihnen ein Bankkredit oder die Verpfändung Ihres Unternehmens als Sicherheit zu riskant, ist Venture Capital eine weitere mögliche Form der Finanzierung. Der Investitionsmarkt für die Risikokapitalvergabe hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Venture Capitalists sind auf die Risikokapitalvergabe und die Förderung von Existenzgründern spezialisiert. Im Gegensatz zur Kapitalbeschaffung durch Seed Capital stellen Ihnen Venture Capitalists jedoch kein Kapital in Form von Krediten zur Verfügung, sondern kaufen einen Anteil Ihres Unternehmens. Dieser Anteil liegt meistens im Bereich von 10 bis 20 Prozent. Macht Ihr junges Unternehmen später Gewinne, erhält Ihr Venture-Kapital-Geber einen von seiner Investition abhängigen Gewinnanteil. Diese Risikokapitalgeber sind jedoch nicht ausschließlich auf Renditen aus. Sie müssen sich bewusst sein, dass diese Finanzierungsexperten kühl kalkulierende Geschäftsleute sind, die kein persönliches Interesse daran haben, Sie persönlich zu fördern wie die Kapitalgeber aus Ihrem sozialen Umfeld. Freunde und Familie sind nicht ausschließlich auf Gewinn aus. Sie freuen sich über Ihren Erfolg.

Passen Sie auf Ihr Baby auf

Venture Capitalists dagegen verfolgen in der Regel das Ziel, ihre Investitionen so schnell wie möglich gewinnbringend zu veräußern. Risikokapitalgeber ziehen ihren Gewinn aus der Differenz zwischen ihrem anfänglichen Investitionsvolumen und ihren späteren Gewinnmargen. In diesem Fall sind sie in der Lage, ihre Anteile an Ihrem gewinnbringenden Geschäft mit einem noch größeren Gewinn an andere Investoren verkaufen. Sie wissen demzufolge nicht, mit welchen Geschäftspartnern Sie es am Ende zu tun haben, wenn Ihr Risikokapitalgeber seine Anteile an Ihrem Unternehmen veräußert. Aus dieser unpersönlichen Gemengelage können sich für Sie große Probleme ergeben. Ihr Unternehmen ist Ihr „Baby“, das Sie idealistisch mit viel Liebe hegen und pflegen. Ihre Anteilseigner begegnen Ihrem „Baby“ jedoch nicht mit der gleichen persönlichen Liebe, sondern sind ausschließlich an ihrer Rendite interessiert. Risikokapitalgeber sind darauf bedacht, ihre Anteile auch im Fall vorübergehender Gewinneinbußen auf dem Markt zu veräußern. Viele junge Unternehmen werden mit dieser Konstellation „vor die Wand gefahren“ wie Experten gerne sagen, da Risikokapitalgeber nicht daran interessiert sind, Ihr junges Unternehmen erfolgreich durch eine Krise zu steuern, sondern ihr Risiko so gering wie möglich zu halten.

Fazit

Aus den zuvor genannten Gründen sollten Sie sich sehr gut überlegen, ob Sie auf diese Art der Risikofinanzierung zurückgreifen, so verlockend sie auch sein mag. Der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften schätzt, dass sich die Venture Capitalists der in Deutschland rund 180 tätigen Investitionsunternehmen mit etwa 5 Milliarden Euro jährlich an der Finanzierung junger Unternehmen beteiligen.

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