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Was tun, wenn’s nicht klappt?

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Was tun, wenn’s nicht klapptWir bei gruender-welt versuchen natürlich, Sie bestmöglich in allen Fragen und Schritten Ihres Gründertums zu betreuen. Doch was soll man tun, wenn eine Geschäftsidee floppt, ein eigenes Unternehmen insolvent geht?

Mit dem aufkommenden Boom beim Thema Start-Ups haben sich in Deutschland auch diverse Gruppierungen und Formate für „gescheiterte“ Gründer etabliert. Quintessenz all dieser Angebote: „Hinfallen ist keine Schande…“. So auch die zentrale Aussage der vermutlich bekanntesten Website http://www.anonyme-insolvenzler.de.

Auf Ihrer Homepage nennten die AI ihre Philosophie: „Wir unterstützen Menschen, die von Insolvenz betroffen sind und verantwortungsvoll mit ihrer Situation umgehen. Unser Anliegen ist es, Hilfe zur Insolvenzvermeidung zu geben und Menschen, die sich in Insolvenz befinden, beim Neustart zu unterstützen.“

Spannend ist, wer hinter den Angeboten der Anonymen Insolvenzler steht: Die Stiftung Finanzverstand gGmbH. Sie betreibt unter anderem eine Insolvenzhotline, eine Immobilienrettung, sowie die Treffen und Angebote der AI. Hinter der Stiftung steckt unter anderem selbst ein Opfer der Insolvenz: Attila von Unruh. Der erfolgreiche Unternehmer gelang 2005 selbst nach eigener Aussage „unerwartet und unverschuldet“ in eine Insolvenz. Ein spannendes Interview über seinen Werdegang und seine Philosophie gibt es hier zu sehen:

Die Treffen der AI finden deutschlandweit monatlich statt – kostenlos. Die Orte in Ihrer Nähe finden Sie unter: http://www.anonyme-insolvenzler.de/gesprächskreise/. Für Beratungen zum Thema Schulden hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung eine Suchfunktion im Angebot. Dort können Sie auch explizit nach von der BAG-SB anerkannten Stellen suchen.

Dem Schritt zum gemeinsamen Aufarbeiten geht ein langer Prozess voran

Doch bis man bereit ist, mit anderen über sein eigenes Scheitern zu reden, Bedarf es eines langen inneren Prozesses. Meist steht bei der Erkenntnis, sich übernommen zu haben oder zu scheitern zunächst eine große Angst, sowie eine Unzufriedenheit mit einem Selbst. In solchen Situationen empfehle ich als erstes die Nummer der Telefonseelsorge in Deutschland http://www.telefonseelsorge.de unter der 0800/ 1110111. Aus meiner Erfahrung in der sozialen Arbeit weiß ich, dass ein anonymes Gespräch meist klärender für die Klienten sein kann, als sich Bekannten und der Familie anzuvertrauen. Nicht selten geht dies nämlich einher mit dem Einverständnis gegenüber dem engeren Kreis, gescheitert zu sein. Für eine klare Analyse sollte man zunächst mit sich selbst im Klaren sein.

Studie: Gescheiterte Gründer scheitern wieder

In einer Studie für das Magazin „Junge Unternehmen: Fakten, Analysen, Perspektiven“ untersuchte die Wissenschaftlerin Sandra Gottschalk von der Universität Birmingham die Gründerpaneldaten von 2008-2012 der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Ihr erstes Fazit liest sich ernüchternd: „Unternehmer, die ein früheres Unternehmen wegen Insolvenz oder anderen Gründen aufgeben mussten  haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, auch mit einem neuen Unternehmen abermals Insolvenz anzumelden“ (Gottschalk 2014: 3). Betrachtet man die Studie jedoch genauer, so werden über die Gründe hierfür jedoch nur Hypothesen angeboten. Zum einen werden die fehlenden ökonomischen Ressourcen durch eine vorherige Insolvenz, sowie die „Zeichen von mangelndem unternehmerischen Talent“ (Gottschalk 2014: 4) als mögliche Erklärungsfaktoren herangezogen. Dies sind jedoch reine Hypothesen und in der Studie nicht nur Daten belegt!

Weiterhin liegt die Wahrscheinlichkeit von bereits gescheiterten/ nicht erfolgreichen Unternehmern „nur“ um 3,3,% höher auch das aktuelle Unternehmen zu schließen, als bei den Gründern, die noch keine Erfahrung mit einem eigenen Unternehmen haben (vgl. Gottschalk 2014: 3f.).

Umso wichtiger erscheint es, dass eine genaue Analyse der Gründe für ein Scheitern gemeinsam in der Gruppe besprochen und Erfahrungen ausgetauscht werden. Was die Studie nämlich nur am Rand erwähnt: erfahrene Gründer verfügen bereits über fundamentales Wissen im Bezug auf ihr Netzwerk aus Kunden, Lieferanten und Beratern.

Eine humorvolle Art mit dem eigenen Scheitern umzugehen präsentierten die Kollegen vom Karriere SPIEGEL (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/fuckup-night-unternehmer-erzaehlen-vom-scheitern-a-1034303.html). Der Bericht über eine offene Gesprächsrunde in der sogenannten „FuckUp Night“ – amüsant und bestärkend.

Hinfallen ist keine Schande!

Die oben besprochene Studie ist abrufbar hier.  Zitation: Gottschalk, Sandra; Greene, Francis; Müller, Bettina (2014): Gescheiterte Gründer scheitern wieder, Junge Unternehmen: Fakten, Analysen, Perspektiven, Vol. 1, Iss. 1, Seiten 3-4.

(pck)

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