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Wie kalkulieren manche Heizungsbauer?

HeizungsleitungenAm 18.11.2014 veröffentlichen wir den Bericht: Nahwärmenetze eine Gefahr für Heizungsbauer? Es ging darum, wie sich die zunehmende Verbreitung von Nahwärmenetzen und Fernwärmenetzen, die durch immer mehr Kommunen vorangetrieben werden, auf die Auftragslage der Heizungsbauer auswirken und ob diese gleichzeitig eine Gefahr für Heizungs- und Sanitärfirmen darstellen. Dieser Bericht blieb nicht ganz ohne Folgen, denn uns erreichten einige E-Mails und auch tatsächlich 2 Briefe per Post von Lesern des Beitrags. Es wurde häufiger die Masche von Heizungsfachfirmen kritisiert und einige als „Abzocker“ hingestellt, was zum Teil an den „überzogenen Angeboten“, teilweise aber auch an falsch abgerechneten Stunden gelegen hat. Der Tenor aus den Anschreiben, die unsere Redaktion erreichten war jedenfalls, dass viele dieser Heizungs- und Sanitärfirmen selbst Schuld seien, wenn sie keine oder wenig Arbeit hätten.

Gründer Welt geht der Sache auf den Grund

Da die Büroräume von Gründer Welt aus strategischen und internen Gründen in einem unter besonderen ausgewählten Gesichtspunkten liegen sollte, welches aber in der ursprünglichen Form nicht allen Anforderungen entsprochen hatte, waren einige Umbau- und Renovierungsmaßnahmen notwendig. Die Heizungen mussten zum Teil versetzt und somit auch Heizungsleitungen anderweitig verlegt werden. In diesem Zusammenhang war es dann naheliegend den Vorwürfen der Abzocke auf den Grund zu gehen. Das Ergebnis war ernüchternd, soviel sei bereits vorweggenommen. Insgesamt wurden 7 verschiedene Angebote von Heizungsbauern eingeholt.

Die Aufgabenstellung für die Heizungsfachfirmen

Bei allen Firmen, die ein Angebot abgaben, war die Aufgabenstellung identisch. Es ging darum sämtliche Heizungsleitungen zu erneuern und diese mit 100% zu isolieren, damit die Wärmeverluste im Mauerwerkt möglichst niedrig sind. Die Materialien sollten geliefert, installiert und an die neuen Heizkörper, die ebenfalls zu liefern waren angeschlossen werden. Die Vorarbeiten, also das freilegen der alten Heizungsleitungen, deren Entsorgung sowie das spätere Verputzen der Heizungsschächte sollte in Eigenregie durchgeführt werden. Ebenfalls waren Trinkwasserleitungen anders zu verlegen und sollten in diesem Zug gleichzeitig erneuert werden. – Auch hier war die Vorgabe, dass die entsprechenden Vorarbeiten und Nacharbeiten in Eigenregie durchgeführt werden und nicht durch den Auftragnehmer.

Die Vorbereitungen zu unserem Test

Bevor der eigentliche Test losgehen konnte, waren noch Vorbereitungen zu treffen, denn schließlich mussten wir wissen, wie hoch der tatsächliche Arbeitsaufwand für die geplanten Änderungen ausfallen würde. Um hierbei zwei unabhängige und ehrliche Aussagen zu bekommen, haben wir zwei verschiedene Heizungsfachfirmen aus unserem Kundenportfolio eingeladen, die vorher ein ausführliches Briefing bekamen und wussten, dass sie die Arbeiten ohnehin nicht ausführen würden,
da alleine schon die Anfahrt viel zu weit und somit unwirtschaftlich gewesen wäre. Trotzdem erklärten sich beide Geschäftsführer bereit, uns bei diesem spannenden Test zu unterstützen. Hierfür nochmals ein herzliches Dankeschön von unserer Seite! Firma 1 (die Namen der beiden Kunden werden nach Absprache nicht genannt) schätzte die reine Arbeitszeit für die Fachfirmen auf etwa 35 bis 40 Stunden, Firma 2 schätzte die reine Arbeitszeit auf ungefähr 42 – 45 Stunden.

Weiterhin wurden im Rahmen der Vorbereitung Gebäudepläne zur Verfügung gehalten, damit wirklich alle Heizungsfirmen eine identische Ausgangssituation hatten.

Der Ablauf von unserem Experiment mit den Heizungsfirmen

Es wurde mit allen 7 Heizungsbaufirmen, die ein Angebot abgeben wollten ein Termin nach deren Wünschen vereinbart. Es gab kein zeitliches Limit für die Besichtigung und der Zutritt wurde jeder Firma in allen Räumen gewährt. Gleichzeitig wurden die Gebäudepläne zur Verfügung gestellt. Somit kann keine der angefragten Heizungsbaufirmen behaupten, die Zeit wäre nicht ausreichend gewesen, oder ein Angebot wäre ins Blaue hinein abgegeben worden. Die Angebote sollten so aufgebaut sein, dass sowohl Material, als auch Arbeitszeit getrennt aufgeschlüsselt sind, damit für uns ein Vergleich möglich war. Weiterhin bestanden wir auf die Angabe von einem Stundenverrechnungssatz. Es wurde auch darum gebeten eine Einschätzung der Arbeitszeit, sprich dem zeitlichen Aufwand für die Durchführung der Arbeiten anzugeben. Nachdem alle Besichtigungen abgeschlossen waren, warteten wir mit der Auswertung bis alle 7 Angebote eingegangen waren. Es dauerte zwischen 2 Tagen und knapp 29 Tagen, bis uns alle Angebote erreicht hatten. Zwei Firmen mussten wir mehrmals hinterher telefonieren, um an die Abgabe des Angebotes zu erinnern. Also ging es an die Aufschlüsselung, wobei dies leider teilweise recht schwierig wurde, da man sich seitens der Heizungsbaufirmen nicht immer an die gewünschten Vorgaben des Angebotes gehalten hatte.

Das Ergebnis unseres Experiments – die Angebote der Heizungsbauer

Ob man es glauben mag oder nicht, das Ergebnis war mehr als nur erschreckend! Die Angebote lagen teilweise Lichtjahre voneinander entfernt, was auch nicht mehr durch unterschiedliche Materialien oder ähnliches zu rechtfertigen gewesen wäre. Nur eine Firma lag mit ihrem Angebot in dem zeitlichen Rahmen, was bereits die Vorrecherche ergeben hatte. Dort waren im Angebot 52 Stunden kalkuliert. Was den Zeitaufwand angeht, so schoss eine andere Firma hier vollkommen aus dem Ruder und lag mit 173 Stunden weit an der Spitze!

günstigste Position aus allen Angebotenteuerste Position aus allen AngebotenDurchschnitt aller 7 Firmen
Arbeitszeit in Stunden5217392,4
Stundensatz brutto38,99 €76,00 €57,00 €
Stundensatz Lehrling brutto18,00 €41,00 €24,50 €
Angebot inkl. Material und Arbeitszeit8.300 €24.050 €13.770 €
Zahlungsziele30 Tage7 Tage15,3 Tage

 

Die Aufschläge der Materialkosten konnten leider nicht ermittelt werden, da die einzelnen Heizungsfirmen unterschiedliche Materialien (z.B. Hersteller Verbundrohre, usw.) verwenden und die Rabattierungen auf die Listenpreise bei den Großhändlern sehr unterschiedlich sind. Trotzdem haben wir auch hier bemerkt, dass die Aufschläge teilweise haarsträubend sind.

Fazit des großen Heizungsbauer Tests

Lobend erwähnen muss man, dass jede angefragte Firma ein Angebot abgegeben hat, auch wenn bei zwei Firmen mehrfach nachtelefoniert werden musste. Die Preisgestaltung geht extrem weit auseinander, sowohl bei den Stundenverrechnungssätzen, als auch bei den Aufschlägen auf die Materialpreise, wobei wir diese nicht genau ermitteln konnten. Besonders überrascht waren wir auch über die Einschätzung der Arbeitszeit, sowie den Stundenverrechnungssatz der Lehrlinge bei einem Betrieb. Dort werden Lehrlinge teilweise fast genauso hoch abgerechnet, wie ein Geselle bei anderen Firmen. Eine telefonische Nachfassung der Angebote gab es bei insgesamt 4 Firmen. Viele Firmen boten auch an, das reine Material zu liefern, sofern man alle Arbeiten in Eigenregie ausführen wolle, dazu wurde uns auch eine Einweisung in die Werkzeuge und die abschließende Abnahme des Werks nach Fertigstellung angeboten. Schmunzeln mussten wir über die Aussage des Geschäftsführers der einen Firma, der sagte: „Mit den Arbeiten beginnen könnten wir von der Auslastung her bereits nächste Woche Montag, also in 5 Tagen, doch das Angebot wird etwa 14 Tage dauern. Da haben wir noch so viele auf dem Tisch liegen, die erst abgearbeitet werden müssen.“

Wie man sieht, gibt es unter den Heizungsbauern leider auch einige schwarze Schafe, daher lohnt es sich definitiv mehrere Angebot einzuholen. Doch in dieser Branche scheint es dringend Handlungsbedarf zu geben. Nicht nur der weitere Ausbau von Nahwärmenetzen und Fernwärmenetzen macht den Heizungsfirmen das Leben schwer, sondern viele dieser Firmen legen sich selbst Steine in den Weg und haben großes Optimierungspotenzial.

Sehr interessanter Eigenversuch! Fraglich ist ob es sich tatsächlich "Abzocke" handelt oder schlicht die Expertise für eine seriöse Kalkulation fehlt. Meiner Erfahrung nach wird hier auf Seiten der Handwerker häufig nach Bauchgefühl geschätzt und auch keine Nachkalkulation für realisierte Aufträge vorgenommen. Dadurch fehlt schlicht das Wissen für realistische und vergleichbare Angebote.

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