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Illiquidität

IlliquiditätLiquidität ist ein Wirtschaftsanglizismus und bedeutet „Zustand, in dem die flüssigen Mittel und leicht liquidierbaren Vermögensgegenstände nicht ausreichen, um die fälligen Verbindlichkeiten zu erfüllen“. Der Kapitaldienst langfristiger Verbindlichkeiten gehört auch dazu. Illiquidität bedeutet jedoch nicht zugleich Verlust, Überschuldung, Unterbilanz oder Insolvenz. Ein Unternehmen kann wirtschaftlich gut dastehen und trotzdem illiquide werden. Illiquidität kann auf einen bestimmten Zeitpunkt (Zeitpunkt-Illiquidität) oder einem Zeitraum (Zeitraum-Illiquidität) bezogen sein.

Maßnahmen zur Vermeidung von Illiquidität

Illiquidität ist ein Zustand, der vor der Zahlungsunfähigkeit eintritt. Erst wenn sich dieser Zustand nicht beheben lässt, wird ein Unternehmen zahlungsunfähig. Zahlungsunfähigkeit und Insolvenz lassen sich durch verschiedene Maßnahmen vermeiden. Das Unternehmen kann einen kurzfristigen Kredit zur Deckung seiner Verbindlichkeiten aufnehmen. Die Mahnabteilung muss verstärkt Außenstände (Forderungen an Kunden) eintreiben. Das Unternehmen kann sich ferner durch Finanzierung und Sanierung Eigenmittel zuführen. Durch diese Maßnahmen gelingt es, die Aus- und Einzahlungen zeitlich erneut aufeinander abzustimmen. Bei vorübergehender Illiquidität spricht man von einer Zahlungsstockung. Erst wenn dieser Zustand nicht mehr abzuwenden ist, liegt eine Zahlungsunfähigkeit vor.

Keine Legaldefinition für Illiquidität

Ist die relative Illiquidität in die Zahlungsunfähigkeit übergegangen, führt dieser Zustand bei allen Unternehmen zur Eröffnung des Konkurs- und Vergleichsverfahrens (§ 102 Abs. 2 KO). Die Rechtsprechung kennt im Falle der Illiquidität oder Überschuldung keine Legaldefinition. Sie definiert diesen Zustand als das „auf dem Mangel an Zahlungsmitteln beruhende Unvermögen des Schuldners, seine fälligen Geldschulden im Wesentlichen zu berichtigen“. Die vorhergehende Zahlungsstockung ist kein Konkursgrund. Kreditinstitute führen ihre Geschäfte nach den „Grundsätzen über das Eigenkapital und die Liquidität“. So bestehen für sie gesetzliche Vorschriften, um den Zustand der Illiquidität zu vermeiden. Gemäß § 46b KWG (Kreditwesengesetz) hat ein Bankgeschäftsleiter der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) die Illiquidität seines Bankhauses fristgerecht anzuzeigen. Ein Verstoß zieht eine Freiheitsstrafe von 1 bis 3 Jahren nach sich. Die liquiden Mittel eines Unternehmens sind Bankkontostände, Kredite und Bargeld. Solvenz ist das Gegenteil von Insolvenz und Illiquidität.

Die Vorstufe zur Insolvenz

So kann man Illiquidität auch als die Vorstufe zur Insolvenz (Überschuldung) definieren. Eine akademisch definierte Grenze zwischen diesen beiden Zuständen existiert nicht. Ein Unternehmen kann seine Verbindlichkeiten durch sein Vermögen und Kapital bedienen. Das Unternehmenskapital besteht aus Eigen- und Fremdkapital (Verbindlichkeiten). Zu dem Vermögen zählen alle materiellen und immateriellen Gegenstände. Ein gut situiertes Unternehmen kann trotzdem illiquide werden, wenn seine Kunden ihrerseits ihren Verbindlichkeiten nicht nachkommen oder aufgrund eines langen Zahlungsziels ihre Rechnungen erst sehr spät zahlen. Das Unternehmen jedoch muss seinerseits seinen Verbindlichkeiten nachkommen. Fehlt das Geld, um seinen Kreditdienst zu begleichen, findet sich das Unternehmen eventuell in der Situation wieder, weitere Kredite zur Überbrückung aufnehmen zu müssen. Diese Kredite stellen neue Verbindlichkeiten dar und vergrößern den Anteil des Fremdkapitals (Negativkapital).

Dem Unternehmen kann das Geld ausgehen, obwohl es nicht überschuldet ist, denn seine Vermögenswerte sind immer noch größer als sein Kapital. In diesem Fall ist das Unternehmen kurzfristig insolvent oder illiquide. Die Eigenkapitalquote verschlechtert sich durch die zusätzliche Aufnahme von Fremdkapital. Die Verbindlichkeiten können kurzfristig beglichen werden. Es ist festzustellen, dass langfristige Illiquidität zur Insolvenz führt. Die Verluste des Unternehmens in Form von Abschreibungen vermindern den Eigenkapitalanteil. Vermögenswerte müssen in dieser Situation zu ungünstigen Konditionen liquidiert werden. Diese angespannte Situation macht die Gläubiger nervös. Das Eigenkapital ist letztendlich aufgebraucht. Umgekehrt führt Insolvenz zur Illiquidität. Eine Insolvenz kann aufgeschoben und versteckt werden. Die Verbindlichkeiten müssen jedoch irgendwann beglichen werden.

Insolvenzverordnung

Ein nicht liquides Unternehmen ist jedoch nicht in der Lage, alle Verbindlichkeiten zu begleichen, da sein Vermögen kleiner ist als seine Schulden. Nur die zusätzliche Eigenkapitalaufnahme führt eine erneute Solvenz des Unternehmens herbei. Diese Eigenkapital-Erhöhung erfolgt durch eine Kapitalerhöhung oder ähnliche Maßnahmen. Unternehmen fallen unter die Insolvenzverordnung. Für Staaten gibt es dagegen keine Insolvenzregelung.

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