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Kapitalbedarf

KapitalbedarfDer Kapitalbedarf eines Unternehmens bezeichnet die finanziellen Mittel, die für die Herstellung und den Verkauf eines Geschäftsgutes anfallen, bevor Einnahmen getätigt werden können. Von dieser Grundausstattung ausgehend können unter anderem die für den Betrieb des Unternehmens notwendigen Sachwerte und Leistungen angeschafft, sowie laufende Kosten und Lohn- oder Gehaltszahlungen bestritten werden.

Der Kapitalbedarf wird berechnet aus den zu einem bestimmten Zeitpunkt angefallenen Ausgaben und den bis zu diesem Zeitpunkt erwirtschafteten Einnahmen:

Kapitalbedarf zum Zeitpunkt x:
= Summe aller Ausgaben zum Zeitpunkt x – Summe aller Einnahmen zum Zeitpunkt x

Der zeitliche Abstand zwischen Ein- und Auszahlungen wird als Kapitalbindungsdauer bezeichnet. Sie bestimmt den Kapitalbedarf wesentlich.

Der Kapitalbedarf einer Unternehmung wird also durch die Höhe der jeweiligen Ein- und Auszahlungen innerhalb einer Periode und as zeitliche Auseinanderfallen der Zahlungsströme bestimmt.

Weitere Einflussfaktoren auf den Kapitalbedarf

  • Betriebsgröße
  • Leistungsprogramm
  • Beschäftigungsniveau
  • Prozessgeschwindigkeit
  • Preise der Einsatzfaktoren
  • Prozessanordnung während der Leistungserstellung:

Wird bereits zu Anfang der Periode mit vollem Produktionsvolumen gearbeitet, so besteht zu Beginn ein hoher Kapitalbedarf. Eine zeitlich versetzte Anordnung der Prozesse hingegen lässt sich den Kapitalbedarf auf niedrigem Niveau bewegen, da zum Zeitpunkt eines jeden neu beginnenden Prozesses bereits Einnahmen aus dem vorhergehenden Prozess getätigt werden können.

Finanzielle Vorgänge:

So erhöhen eigene Vorauszahlungen und die Gewährung von Lieferantenkrediten den Kapitalbedarf, wohingegen sich der Kapitalbedarf der Unternehmung durch die Inanspruchnahme von Kundenanzahlungen und Lieferantenkrediten vermindert.

Eine exakte Kenntnis des Kapitalbedarfs ist die Grundvoraussetzung für die Einleitung sämtlicher Finanzierungsaktivitäten. Daher wurden in der Betriebswirtschaftslehre verschiedene Instrumente zur Ermittlung des Kapitalbedarfs entwickelt.

Der Kapitalbedarf lässt sich über einen Finanzplan ermitteln

Die Grundstruktur eines Finanzplanes lautet:

Endbestand an Zahlungskraft am Ende der Periode = Planeinzahlungen – Planauszahlungen

Je nach den vorherrschenden Gegebenheiten werden unterschiedliche Finanzpläne erforderlich:

Laufende Finanzpläne betrachten den Kapitalbedarf während des normalen Betriebsablaufs. Ein ordentlicher Finanzplan beinhaltet alle mit der normalen Betriebstätigkeit verbundenen Zahlungsvorgänge, wohingegen der außerordentliche Finanzplan den Kapitalbedarf für die Finanzierung laufender Investitionen zum Gegenstand hat.

Einmalige Finanzpläne dienen der Ermittlung des Kapitalbedarfs für besondere Finanzierungen, wie zum Beispiel dem Kapitalbedarf für Fusionen, Emissionen oder Sanierungen.

Im Rahmen der Fristigkeit wird unterschieden zwischen langfristigen Finanzplänen, die den Kapitalbedarf über etwa drei bis zehn Jahre betrachten. Es handelt sich hier lediglich um grobe Umrissplanungen. Mittelfristigen Finanzplänen für Zeiträume von drei Monaten bis zu drei Jahren und kurzfristigen Finanzplänen, die detailliert den Kapitalbedarf für eine Periode von nicht mehr als einem Jahr aufführen.

Kurzfristige Finanzpläne werden oft im Rahmen einer rollierenden Planung in langfristige Pläne eingebettet. Hierbei ist die regelmäßige Überprüfung der kurz-, mittel- und langfristigen Finanzpläne sowie ggf. deren Revision notwendig.

Auch eine Aufgliederung des Kapitalbedarfs nach Produkten oder Produktionsstellen ist möglich.

Am Ende einer Periode ergibt sich durch die Gegenüberstellung des Finanzplans mit dem tatsächlichen Kapitalbedarf ein Überschuss oder ein Fehlbetrag, der Auskunft über die Liquiditätsentwicklung des Unternehmens gibt. Die Aufgabe der Finanzplanung besteht nun in der Beseitigung dieser Differenz. Hierbei können gezielte Kredite als Form der Außenfinanzierung, oder Rationalisierungsmaßnahmen als Innenfinanzierung einen Fehlbetrag beseitigen. Überschüsse lassen sich durch neue rentable Verwendungsmöglichkeiten des eingesetzten Kapitals beheben.