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Boreout: Was tun, wenn Langeweile im Job krank macht?

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Boreout-Was-tun-wenn-Langeweile-im-Job-krank-machtAlle sprechen von dem vielzitierten Burnout. Sowohl Fachpresse als auch Arbeitswelt setzen sich mit diesem Thema intensiv auseinander. Wir wissen, ständige Überforderung im Job macht auf Dauer krank. Was ist jedoch mit dem Gegenteil, der permanenten Unterforderung von Arbeitnehmern? Langeweile im Job macht auf Dauer genauso krank wie ständige Überforderung. Psychologen haben für dieses Phänomen mittlerweile einen gängigen Begriff geprägt: Boreout. Arbeitnehmer fühlen sich bei ständiger Unterforderung von ihren Vorgesetzten und Kollegen nicht wertgeschätzt, da der Arbeitgeber das vorhandene Potential und die Kompetenz für das Unternehmen nicht gewinnbringend einsetzt und Talente nicht fördert. Aus diesem Grund leisten unterforderte Arbeitnehmer irgendwann nur noch Dienst nach Vorschrift, während bei ihren überforderten Kollegen die Kerze bereits an beiden Enden brennt.

Krank aus Langeweile – wie kann das sein?

Die Personalverantwortlichen müssen sich einer objektiven Selbstüberprüfung unterziehen und sich fragen, wie es sein kann, dass in Zeiten der ständigen Veränderungen, immer komplexeren Strukturen und erhöhten Anforderungen Mitarbeiter unter Langeweile leiden. Mitarbeiter mit Boreout kennen keine Herausforderungen mehr, da sie die ihnen gestellten Aufgaben im Schlaf und im Vorbeigehen bewältigen. Boreout kann genauso zu einer fehlerhaften Performance im Arbeitsalltag führen wie Burnout. Gelangweilte Mitarbeiter stecken fest in unveränderten und langjährigen Strukturen, ihre Vorgesetzten sind dem traditionellen Schubladen- und Hierarchiedenken verhaftet. Sie machen sich nicht die Mühe, diese Mitarbeiter einem objektiven Gespräch zu unterziehen, um sie anschließend mit neuen, ihren Talenten entsprechenden, Aufgaben zu betrauen. Lange Jahre hat die deutsche Arbeitswelt das Phänomen „Burnout“ gescheut wie der Teufel das Weihwasser. Arbeitnehmer mit Burnout sind jedoch inzwischen salonfähig geworden, da dieser neuen Volkskrankheit ein positiver Aspekt zugrunde liegt: übermäßig viel Arbeit und Fleiß der Betroffenen. Heutzutage scheuen nur noch wenige Arbeitnehmer davor zurück, zuzugeben, dass sie unter einem Burnout leiden. Sie fürchten sich nicht mehr davor, von ihren Vorgesetzten und Kollegen nicht anerkannt und belächelt zu werden.

Das Motto: „Arbeit geh‘ weg, ich komme?“

Ein Arbeitnehmer, der sich über Langeweile und Unterforderung beschwert, wird von Vorgesetzten und Kollegen oft ausgegrenzt. Wie ist es möglich, dass Kollegen vom Nichtstun krank werden? Ist der Betroffene nicht selber schuld an seiner Misere? Ist er nicht einfach zu faul, um richtige Leistung zu erbringen? Die ideale Lösung besteht darin, dass ständig überforderte Mitarbeiter ihren unterforderten Kollegen Teile ihrer Aufgaben abgeben. Sie tun sich mit dem Delegieren dieser Aufgaben schwer, aus Angst davor, ihre Vorgesetzten könnten dieses Handeln negativ bewerten. Manche überforderten Mitarbeiter sind der Meinung, nur sie sind fähig, die ihnen gestellten Aufgaben zur Zufriedenheit des Unternehmens zu lösen.

Eigeninitiative ist gefragt

Auch die von einem Boreout bedrohten Mitarbeiter müssen sich selbst auf den kritischen Prüfstand stellen und die Initiative ergreifen. Zuerst müssen sie darüber nachdenken, warum sie sich im Job unterfordert fühlen und was zu mehr Zufriedenheit innerhalb und außerhalb des Arbeitsplatzes führt. Der richtige Weg, diese Sache anzugehen ist, seinen Kollegen diplomatisch und emphatisch die eigene Situation vorzutragen. Es bringt niemanden weiter, Vorgesetzte und Kollegen mit Vorwürfen und Beschwerden zu überhäufen. Stattdessen ist es richtig, überforderten Kollegen Hilfe und Unterstützung anzubieten. Das entsprechende Gespräch beginnt mit der Einleitung, dass man den ständigen Stress und die damit verbundene Überforderung seines Gegenübers wahrnimmt und gerne behilflich wäre, diese Situation positiv zu verändern. Ein gemeinsames und konstruktives Gespräch klärt, welche Aufgaben zu delegieren sind. Ein Gespräch mit den zuständigen Vorgesetzten ist notwendig, um diese von den eigenen Talenten und Kompetenzen zu überzeugen. Konstruktive Vorschläge, die die vorherrschende Situation ändern, stoßen sicherlich nicht auf taube Ohren. Betroffene Mitarbeiter dürfen nicht erwarten, dass Vorgesetzte die vorherrschende Situation der permanenten Langeweile und Unterforderung irgendwann wahrnehmen. Wer darauf wartet, dass der Chef die eigenen Fähigkeiten erkennt und von sich aus die vorherrschende Situation ändert, kann lange abwarten und Tee trinken, es wird nichts passieren. Ein Gespräch mit einer Vertrauensperson aus der Personalabteilung ist gleichfalls sinnvoll. Diese kann die vorliegende Situation vorab sondieren und sie während dem nächsten Personalplanungs-Gespräch vortragen.

Sehen wir zu, dass wir in unserem Arbeitsalltag die größtmögliche Erfüllung finden

Betroffene Mitarbeiter dürfen nicht davor zurückscheuen, ihren Vorgesetzten und Kollegen klarzumachen, wie sie sich ein gutes und faires Miteinander vorstellen. Eine gute Arbeitsatmosphäre beeinflusst das Betriebsergebnis positiv. Jeder Arbeitnehmer braucht für seine Gesundheit nicht nur Liebe und Glück, sondern auch innere Zufriedenheit, und die ist durch einen Boreout sicherlich nicht zu erreichen.

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