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Umweltschutz bei der Existenzgründung – wie wichtig ist das Thema in der Gründungsphase?

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Umweltschutz

Mittlerweile ist der Umweltschutz ein globales Thema, das in nahezu jedem Bereich des Lebens präsent ist. Auch die Gründerszene macht hierbei keine Ausnahme, zumal die Forderungen und Richtlinien für Unternehmen immer konkreter werden. Dies gilt insbesondere für die modernen Industrieländer, die Natur und Umwelt teils stark belasten. Aus diesem Grund stehen Unternehmen in der Pflicht, sich sowohl eigenverantwortlich um ein sauberes, grünes Image zu kümmern als auch bestehende Auflagen zu berücksichtigen. Allerdings bringt der Umweltschutz nicht nur mehr Arbeitsaufwand für Existenzgründer mit sich, sondern hält auch einige Vorteile bereit.

Unternehmensgründung – Umweltauflagen beachten

Heutzutage ist der Schutz der Umwelt für ein Unternehmen nicht mehr nur ein freiwilliger Part, sondern wird immer mehr zum Pflichtteil. Unter anderem setzt an dieser Stelle beispielsweise das Bundes-Immissionsschutzgesetz, kurz BimSchG an, welches zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Geräusche, Luft, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge verabschiedet wurde. Es gilt derzeit als das das wichtigste praxisrelevante Regelwerk auf diesem Rechtsgebiet und regelt das Umweltrecht, solange es noch kein einheitliches deutsches Umweltgesetzbuch gibt. Mitunter kann das Erfüllen dieser Auflagen sehr kostspielig sein, weshalb Gründer diesen Aspekt am besten schon direkt bei der Erstellung ihres Businessplans berücksichtigen sollten. Zu diesem Zweck kann sich auch eine professionelle Beratung beim Fachmann lohnen, beispielsweise bei den Umweltberatern der Industrie- und Handelskammern bzw. Handwerkskammern. Eine solche Abteilung unterhält mittlerweile fast jede Kammer, da das Thema so präsent ist. Um einen genaueren Eindruck davon zu erhalten, wie viele unterschiedliche Gesetze es darüber hinaus noch gibt und unter welche Punkte das eigene Unternehmen dabei fällt, hilft eine Auflistung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit weiter.

Umweltschutz in die Existenzgründung integrieren

Die vielfältigen Auflagen machen es mitunter notwendig, dass die bisherigen Planungen noch einmal überdacht werden müssen. Ein wichtiger erster Schritt diesbezüglich ist die genaue Überprüfung des Standorts, denn oft gibt es auf dem gewählten Grundstück Altlasten. So ist der Kaufpreis zwar entsprechend günstig, doch später kann der Standort eventuell zur Kostenfalle werden. Besonders wichtig ist der Umweltschutz jedoch hinsichtlich der Finanzierung, denn viele Auflagen lassen sich im Gegensatz zum Standort nicht umgehen und müssen zwangsläufig erfüllt werden. Neben diesen Kostenpunkten sind jedoch auch die vielen Vorteile nicht zu vergessen, die Existenzgründer durch den Umweltschutz genießen können.

  • Spezielle Förderprogramme für Umweltschutz und Nachhaltigkeit

Wer eine Firma gründen möchte, die sich künftig mit zukunftsträchtigen Themen wie Umweltschutz beschäftigt, der kann diesbezüglich auf die Hilfe spezieller Förderprogramme zurückgreifen. Qualifiziert dafür sind insbesondere Unternehmen, die das Wachstum in diesem Segment vorantreiben möchten, sei es durch eine Neugründung oder Übernahme. Dabei werden primär Projekte gefördert, die sich aktiv für Nachhaltig, Energieförderung und Umweltschutz allgemein einsetzen.

Umweltspezifische Förderprogramme sind unter anderem folgende:

  • KfW-Programm „Erneuerbare Energien“
  • ERP-Umwelt- und Energieeffizienzprogramm
  • Förderung von Energiesparberatungen (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle)
  • Förderung Deutsche Bundesstiftung Umwelt
  • KfW-Programm „Energieeffizienz Sanieren“
  • Marketingvorteile

Umweltschutz wird heute großgeschrieben und stellt für den Verbraucher ein entsprechend wichtiges und positiv bewertetes Thema dar. Durch eine aktive Kommunikation mit der Zielgruppe kann dieser Aspekt verdeutlicht werden und sollte auch ins Marketing eingebunden werden. Umweltfreundliche, nachhaltige Aktionen (bestenfalls auf freiwilliger Basis und ohne finanziellen Hintergrund) können so zu mehr Vertrauen auf der Kundenseite führen.

Umweltschutz im Unternehmen
Für ein positives Unternehmensimage sollten Umweltschutzbemühungen bewusst nach außen hin kommuniziert werden.
  • Motivation

Auch die Mitarbeiter lassen sich durch den Naturschutzgedanken anstecken und werden so oftmals positiv beeinflusst. So wird eine stärkere Bindung an das Unternehmen geschaffen und die Arbeit wird motivierter durchgeführt. Besonders wichtig ist dieser Punkt für jüngere Mitarbeiter, da diese den Umweltschutz besonders wertschätzen und häufig auch als festen Teil ihres Lifestyles betrachten.

Umweltmanagement als wichtige Stütze

Umweltschutz für Gründer PDCA
Der wiederkehrende Kreislauf zur kontinuierlichen Verbesserung der Betriebsabläufe findet auch beim Thema Umweltschutz Anwendung.

An dieser Stelle wird auch das sogenannte Umweltmanagement auf den Plan gerufen. Darunter ist ein Teilbereich eines Unternehmens zu verstehen, der sich ausschließlich mit den betrieblichen und behördlichen Interessen der Umwelt- und Umweltschutzbelange beschäftigt. Dabei steht die stetige Verbesserung der umweltbezogenen Aspekte im betrieblichen Ablauf im Fokus, bei der die Mitarbeiter kontinuierlich miteingebunden werden sollen. Zudem wird so die Einhaltung aller umweltrelevanten Rechts- und Verwaltungsvorschriften gewährleistet und Unfälle oder Notsituationen lassen sich besser verhindern. Bewährt hat sich hinsichtlich der Nutzung von Umweltmanagementsystemen der sogenannte PDCA-Zyklus (siehe Bild), bei dem die Schritte Planung, Steuerung, Überwachung und Verbesserung einen Kreislauf bilden.

  1. Plan (Planung)

Zunächst gilt es herauszufinden, wo Ansatzpunkte für Verbesserungen bestehen. Diese Bereiche werden festgelegt, damit sie in Zukunft von Verbesserungen profitieren, die mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel erreichen.

  1. Do (Steuerung)

Die ermittelten Maßnahmen werden in diesem Schritt durchgeführt.

  1. Check (Überwachung)

Die so erreichten Verbesserungen werden nun darauf hin überprüft, inwiefern sie das anvisierte Ziel erreicht haben.

  1. Act (Verbesserung)

Wurde das Ziel nicht erreicht, so findet eine Prüfung der zugrundeliegenden Voraussetzungen und Rahmenbedingungen statt und legt fest, wie und ob diese geändert werden müssen. Der Zyklus startet in diesem Fall wieder von vorne.

Die Gründe für ein solches Management können unterschiedlicher Natur sein, meist handelt es sich aber um folgende Faktoren:

  • Öffentlicher Druck

Je mehr ein Unternehmen in der Öffentlichkeit steht, desto genauer wird jeder Fehltritt beobachtet. Dazu zählt mittlerweile auch der bewusste Umgang mit der Natur, der bei vielen Kunden verstärkt als wichtig betrachtet wird. Ein Unternehmen kann und sollte auf ein solches Umdenken bei der Kundschaft zügig reagieren, um sein Image nicht zu beschädigen. Die Möglichkeiten sind dabei vielfältig: darunter fallen beispielsweise öffentliches Engagement oder umweltfreundlichere Arbeitsprozesse.

  • Steigende Versicherungsbeiträge

Hierbei handelt es sich um einen rein finanziellen Aspekt, denn auch Versicherungen berücksichtigen Umwelteinflüsse und bewerten diese. Erhöhte Risiken werden daher auf die Höhe der zu zahlenden Versicherungsbeiträge angerechnet. Andererseits bedeutet dies aber auch, dass höhere Umweltstandards ein entsprechend geringeres Unfallrisiko oder eventuelle Haftungsschäden mit sich bringen.

  • Kosten einsparen

Auch die generell steigenden Energiekosten sind ein Grund für durchdachtes Umweltmanagement, denn in fast allen Unternehmen ist ein gewisses Potenzial für Energieeinsparungen vorhanden. Systematisch werden dafür Schwachstellen herausgefiltert und mithilfe einfacher Mittel optimiert. Auch der Einsatz und die Umrüstung auf energieeffiziente Technologien ist diesbezüglich ein wichtiger Schritt, der zwar zunächst Investitionen mit sich bringt, sich jedoch langfristig amortisiert. Darunter fallen beispielsweise Druckluft- und Pumpsysteme, aber auch Förder-, Luft- und Kältetechnik rechnen sich bei einem großen Unternehmen bereits innerhalb weniger Jahre. Die Möglichkeiten sind zahlreich:

Strompreis
Nicht nur im Privathaushalt wichtig: Sparpotenziale bei den Energiekosten.

 

  • Beleuchtung optimieren – Schreibtische in Fensternähe, Zeitsteuerungen und Bewegungsmelder verwenden, Nutzung von Energiesparlampen
  • Heizung – Umstieg auf moderne Heizkessel und Brenner, regenerative Energien, Raumtemperatur außerhalb der Betriebszeiten senken, Dämmung des Unternehmensgebäudes modernisieren
  • Lüftung/Kühlung – bei der Raumplanung darauf achten, dass wenig Klimatisierung notwendig ist, Klimaanlage richtig und bedarfsgerecht einstellen
  • Geräte/EDV – hier liegen Einsparpotenziale von bis zu 70%.

Darüber hinaus kann jedoch auch jeder Mitarbeiter selbst aktiv werden und seinen Teil dazu beitragen. Ein Umdenken sollte hier also auch im Kleinen stattfinden und kann beispielsweise so aussehen:

  • Papierverbrauch reduzieren – es bietet sich an, im Betrieb auf digitale Dokumente zurückzugreifen, um den Papierverbrauch zu verringern. Wenn möglich, können außerdem beide Seiten eines Dokuments genutzt werden. Weiterhin lohnt sich der Umstieg auf Recyclingpapier, da dieses einerseits die Ressourcen schützt und andererseits den Erhalt der Wälder fördert. Ein Beitrag unter raab-verlag.de erklärt, wie genau die Herstellung dabei abläuft und informiert zudem darüber, wie sich die Papierindustrie in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat.
  • Bewusste Mülltrennung – Mülltrennung mag vielleicht lästig sein, dient jedoch dem Wohle der Umwelt. Aus diesem Grund sollten die notwendigen Abfalltonnen vorhanden sein, damit die Mitarbeiter die Möglichkeit haben, ihren Abfall entsprechend korrekt zu entsorgen. In vielen Betrieben gilt es diesbezüglich vor allem auf den Sondermüll zu achten, der stets nach den jeweiligen Vorgaben zu entsorgen ist. Darunter fallen beispielsweise Batterien oder Energiesparlampen.
  • Nutzung von Hardware – wenn möglich, so können verschiedene Mitarbeiter an einem einzelnen Gerät arbeiten, wenn es beispielsweise ums Drucken oder Scannen geht. Hier benötigt nicht jeder ein eigenes Gerät, sodass sich Kosten bei der Anschaffung und beim Energieverbrauch ergeben.

Ein Blick auf die vielen Vorteile des Umweltschutzes zeigt, wie sinnvoll sich ein starkes Engagement seitens eines Unternehmens auswirken kann. Dennoch müssen derzeit noch mehr Anreize geschaffen werden, um den betrieblichen Umweltschutz voranzutreiben. Ein gutes Beispiel dafür ist das Umweltbundesamt (UBA) selbst, das an allen Standorten ein umfangreiches Umweltmanagementsystem eingeführt hat und sich nach der EMAS-Verordnung richtet. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Teilnahme von Organisationen an einem Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung. Maria Krautzberger, Präsidenten des UBA, sagte dazu folgendes:

„Langfristig sollten alle Organisationen, deren Tätigkeiten sich auf die Umwelt auswirken, ein transparentes und überprüfbares Umweltmanagementsystem einführen. EMAS hilft uns, konsequent unsere eigenen Empfehlungen zum Umweltschutz einzuhalten. Das stärkt nicht nur unsere Glaubwürdigkeit, wir gewinnen auch praktische Erfahrungen beim Umweltschutz.“

Aktuell nutzen in Deutschland etwa 1.200 Organisationen ein Umweltmanagement nach den Richtlinien von EMAS, die sich an insgesamt 1.900 Standorten befinden. Krautzberger hofft und vermutet, dass sich diese Zahl künftig weiter erhöhen könnte, sofern denn neue Anreize für die Unternehmen geschaffen werden – darunter zum Beispiel geringere Verwaltungsgebühren, längere Inspektionsintervalle oder die Berücksichtigung der Umwelterklärung im Rahmen der Emissionsberichterstattung. Den vollständigen Bericht zum Thema gibt es hier.

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