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Als Handwerker selbstständig machen – Vorteile und Nachteile

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Handwerker
Allround-Handwerker sind auch heute noch sehr gefragt - gute Voraussetzungen für eine Selbständigkeit?

Sich als Handwerker selbstständig zu machen, ist weder eine Seltenheit noch eine schlechte Idee. Gerade die sogenannten Allround-Handwerker sind begehrt, denn sie spezialisieren sich nicht auf einzelne Bereiche, sondern übernehmen mehr oder weniger alle Arbeiten, die anfallen können. Für den Handwerker an sich können sich daher unglaublich praktische Aufträge ergeben. Nicht selten erhalten sie die Möglichkeit, als Hausmeister zu fungieren. Doch auch, wenn das Handwerk sprichwörtlich auf goldenem Boden steht, ist nicht alles Gold, was glänzt. Es gibt Vorteile und Nachteile, wie dieser Artikel aufzeigt.

Die Vorteile

Wer sich als Handwerker selbstständig macht, kann praktisch sein Hobby zum Beruf machen. Denn neben einem gewissen Können ist natürlich die Liebe zum Handwerk und den Tätigkeiten eine wichtige Voraussetzung. Je nach Umfang der Arbeiten oder einer Spezialisierung ist das Tagesgeschäft unglaublich abwechslungsreich, da immer wieder neue Kunden besucht und Arbeiten erledigt werden. Und es gibt weitere Vorteile:

  • Unabhängigkeit – gerade Allround-Handwerker sind unglaublich unabhängig. Anders als Schreiner, Maurer oder Installateure müssen sie nicht auf Aufträge aus ihren Gebieten warten, sondern können quasi sämtliche Arbeiten annehmen, die in einem Haus anfallen. Das bietet ihnen nicht nur eine unglaubliche Abwechslung, sondern eine Unabhängigkeit, auf die selbst die Witterung keinen Einfluss hat. Denn stehen Baustellen teils wegen Kälte oder Regen still, können Allrounder mühelos diese Zeiten mit zig anderen Arbeiten überbrücken.
  • Selbstbestimmung – wer selbstständig ist, entscheidet – und das auch über die eigenen Büroräume. Diese können ganz nach dem eigenen Belieben gestaltet und renoviert werden. Handwerker können in diesem Bereich schon beweisen, was sie eigentlich können und sich ihre eigene Visitenkarte erstellen. Eventuell spezialisieren sie sich auch darauf, andere Büro- und Privaträume zu renovieren.
  • Werkzeugauswahl – in vielen Anstellungsverhältnissen werden die Arbeitsmittel gestellt. Einem Handwerker müssen die Werkzeuge nicht immer liegen, denn hier bevorzugt jeder bestimmte Arbeitsgeräte wie Bohrhämmer bestimmter Anbieter oder Elektrogroßgeräte. Ein selbstständiger Handwerker kann mühelos testen, welche Werkzeuge ihnen am besten in den Händen liegen und mit denen sie besonders gut arbeiten können. Mit ihrem Fachwissen können sie zudem andere beraten und beispielsweise Schulungen zum Umgang mit Werkzeugen geben.
  • Weiterbildung – selbstständige Handwerker können sich fortlaufend weiterbilden und ihre Kenntnisse erweitern. Gerade bei Allroundern geschieht dies sogar während der Arbeit, immerhin ist keine Baustelle wie die andere.
  • Abwechslung – anstatt täglich ins Büro oder in die Werkstatt zu fahren und dieselben Tätigkeiten durchzuführen, bietet der Job als Handwerker Abwechslung. Es geht auf neue Baustellen, es gilt, neue Herausforderungen zu meistern oder vielleicht auch einmal mit einfachen Tätigkeiten wie dem Anstreichen einen Tag zu verbringen. Gleichfalls treffen Handwerker immer wieder auf neue Menschen.

Wer sich ohne eine große Werkstatt zu gründen, selbstständig macht, ist vermutlich gerade in den Anfangszeiten als Allrounder bessergestellt. Diese Handwerker können sich anfangs wunderbar mit kleinen Arbeiten beweisen und so langsam ihren Kundenstamm aufbauen. Läuft das Geschäft, ist eine Spezialisierung möglich.

Die Nachteile

Die Selbstständigkeit hat natürlich auch gewisse Nachteile. Als Angestellter steht immer noch der Betrieb hinter einem und übernimmt so wichtige Sachen wie Versicherungen. Selbstständige Handwerker müssen sich um alles selbst kümmern, müssen prüfen, ob sie in eine Handwerkskammer eintreten müssen, welche staatliche Vorgaben es gibt und müssen sich gegebenenfalls mit eigenen Angestellten beschäftigen. Grundsätzlich ist es sinnvoll, sich vorab einmal genau über alle Anforderungen zu informieren und sich gegebenenfalls beraten zu lassen. Ein Überblick über die Nachteile:

  • Versicherungen – ein Handwerker benötigt unbedingt Versicherungen. Gerade die Haftpflicht ist Pflicht, damit etwaige Schäden, die von den eigenen Arbeiten ausgehen, nicht in den finanziellen Ruin führen.
  • Buchhaltung – jeder Selbstständige muss sich um die Buchhaltung kümmern und davon sind auch Allround-Handwerker nicht ausgenommen. Zur Buchhaltung gehören die unterschiedlichsten Bereiche. Anschaffungen für den Betrieb müssen abgesetzt werden, Einnahmen korrekt gebucht, Ausgaben für Kunden eingetragen werden. Wer später selbst Mitarbeiter beschäftigt, muss diese bei den notwendigen Stellen anmelden: Sozialversicherungen und Finanzamt. Grundsätzlich können sich Handwerker mit einer Buchhaltungssoftware behelfen, die das Prozedere deutlich vereinfacht. Ist gar kein Vorwissen vorhanden, sollten sich Handwerker jedoch zuerst zumindest von einem Steuerberater beraten lassen.
  • Steuern – auch als Handwerker müssen Steuern gezahlt werden. Neben der jährlichen Steuererklärung können auch die Umsatzsteueranmeldungen erforderlich werden, sofern der Handwerker verpflichtet ist, diese zu machen. In der Anfangszeit kann er sich jedoch auch von der Umsatzsteuerpflicht befreien lassen, sofern die Einnahmen gering genug sind. Dies ist aber nicht ratsam, da viele Ausgaben anstehen.
  • Preiskalkulation – auch das ist eine echte Hürde. Natürlich ist es angenehm, selbst über den Preis zu bestimmen, doch muss dieser realistisch sein. Gerade zu Beginn neigen viele Handwerker dazu, ihre Leistung zu gering oder zu hoch zu bewerten. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.
  • Büroräume – wer keine externe Werkstatt aufbaut, sondern sein eigenes Zuhause als Büro nutzt, lebt praktisch stets auf der Arbeit. Das liegt nicht jedem und muss gerade der Familie erklärt werden.

Ein großer Nachteil für selbstständige Handwerker lässt sich im privaten Umfeld finden. Freunde, Bekannte und Verwandte wünschen sich oft, dass bestimmte Arbeiten erledigt werden, weil der Handwerker das »ja ohnehin kann«. Diesen Personen muss nun jedoch klargemacht werden, dass aus den ehemaligen Gefälligkeiten ein echter Beruf geworden ist – für den auch sie zahlen müssen. Diese Hürde müssen die meisten Selbstständigen irgendwann überwältigen und auch akzeptieren, dass so manche Freunde und Bekannte mit einem Mal keine Freunde mehr sind.

Auf fachlicher Eben macht Handwerkern keiner was vor – Probleme könnten eher im Bereich der Betriebswirtschaft liegen.

Fazit – eine gute Idee, doch nicht ohne Schwierigkeiten

Sicherlich ist jede Selbstständigkeit ein Risiko. Handwerker haben, gerade die breit aufgestellten, noch einen gewissen Vorteil, weil diese Arbeiten praktisch immer anfallen. Dennoch sollten auch Allrounder nicht auf eine kompetente Beratung verzichten und sich genau überlegen, ob sie diesen Schritt wagen wollen. Es gibt hohe Anforderungen und, je nach Region, eine starke Konkurrenz. Wer jedoch alles gut überlegt, sich beraten lässt und dann informiert den Sprung wagt, kann eine einträgliche und abwechslungsreiche Selbstständigkeit aufbauen und mit ihr das Hobby zum Beruf machen.

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