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Investorenlandschaft in Deutschland

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Investorenlandschaft-DeutschlandNie zuvor war die Gründerszene so dynamisch wie heutzutage. Gründer-Startups haben eine unglaubliche Auswahl an Anlaufstellen, um sich professionelle Hilfe von außen zu holen. Man muss einen Englischkurs im Schnelldurchlauf belegen, um annähernd zu verstehen, was die mit der Gründerszene verbundenen Wirtschaftsanglizismen bedeuten. Der Trend zur Finanzierung jenseits der klassischen Kapitalgeber wie Banken und Kreditinstitute kommt aus den USA. Wer den Begriff „Inkubator“ liest oder hört, denkt zuerst an Krankenhäuser, Arztpraxen oder asthmakranke Menschen. Weit gefehlt! Nicht nur in der Gründerszene werden fleißig neue Unternehmen gegründet und innovative Geschäftsideen verfolgt. Auf der Seite der Investoren werden die Spielwiesen größer. Sogar die Weltbank beteiligt sich an diesem Gründungstrend. Inkubatoren sind Unternehmen, die mit dem Zweck gegründet werden, Startups in Entwicklungsländern mit dem notwendigen Kapital zu versorgen. Die Weltbank nennt mittlerweile ein ganzes Netz von Inkubatoren ihr Eigen, die eine besondere Aufgabe haben: vielversprechende Startups in Entwicklungsländern mit dem notwendigen Kapital zu versorgen.

Ursprünglich war die Gründerszene überwiegend in öffentlicher Hand in Form von staatlich initiierten oder geförderten Gründerfonds. Private Inkubatoren fördern, coachen und beraten Existenzgründer und ihre Erfolg versprechenden Geschäftsideen. Sie stellen ihr Know-how sowie umfangreiche Dienstleistungs- und Servicepakete zur Verfügung. Wer das All-Inclusive-Paket bucht, bekommt den kompletten Infrastruktur- und Mietflächenservice dazu. Die Inkubatoren- und Investorenlandschaft in Deutschland unterscheidet sich von der in den USA. Die Amerikaner lieben Geschwindigkeit, nicht auf ihren Highways, sondern in der Förderszene für Startups. Mit Dropbox, Airbnb, Scribd, Reddit, Disqus und Posterous haben die Investoren die erfolgreichsten Startups überhaupt aus der Taufe gehoben. Diese Modelle gehen zurück auf Y-Combinator und Techstars. Sie sind nach dem Beschleunigungsprinzip, dem Accelerator-Ansatz, aufgebaut. Die Investorenlandschaft in den USA setzt vor allem auf schnelle Marktstarts für innovative Geschäftsideen, wobei sie ein Maximum an Risiko nicht scheut. Die Investoren setzen alles auf eine Karte, entweder sie verlieren oder sie gewinnen. Für die amerikanischen Investoren ist das Glas eher halb voll als halb leer.

Die Europäer setzen vorzugsweise auf wenig Risiko und eine langfristige Marktstrategie. Sie sind Company-Builder, ein weiteres Finanzierungsmodell in der Investorenlandschaft. Company-Builder arbeiten mit dem Proof-of-Concept-Model. Frei übersetzt heißt das, man baut eine Firma langsam auf und setzt auf eine ausgefeilte Marketing-, Kapitel- und Investmentstrategie. Jede Art der Beschleunigung, die in Sachen Risiko schnell zum Schleudersitz werden kann, bleibt außen vor. Diese Company-Building-Mentalität ist auf Deutschland, die Heimat der Ingenieure, ideal zugeschnitten, wo Projekte vorzugsweise ruhiger und weniger risikofreudig mit gut durchdachten Konzepten umgesetzt werden. Existenzgründer sollten sich anhand einer Matrix darüber klar werden, welche Art von Investorenförderung sie brauchen. Sie müssen sich fragen, wie viel Mitspracherecht der Investor erhalten soll und auf welcher Basis sein persönliches Engagement erwünscht ist. Wie groß ist das geplante Unternehmen und wie viel Kapital braucht es, um die dahinterstehenden Geschäftsideen zu realisieren? Anhand der Größenordnung des benötigten Kapitals lässt sich für den Investor das damit verbundene Risiko ableiten. Befindet sich ein Jungunternehmer in einer späteren Wachstumsphase seines Unternehmens, benötigt er mehr Kapital als am Anfang seiner Gründungsphase. Gleichzeitig kann er mehr Geschäftserfahrung vorweisen, sein Unternehmen ist vielleicht schon am Markt etabliert. Damit reduziert sich das mit der Gründungsphase verbundene Risiko und Investoren zahlen zu diesem späteren Zeitpunkt für höhere Bewertungen. Mit steigender Höhe der Finanzierung bringen sich Investoren verstärkt in das Projekt ein. Die Gewinnanteile und das Mitspracherecht steigen, zur gleichen Zeit sinken das Selbstbestimmungsrecht und die Gewinnmarge des Unternehmers. Für diese Phase der Investition ist ein Late-Stage-Investor ideal. Neben all den am Markt existierenden Finanzierungsmodellen mit den beeindruckenden Namen sollten Existenzgründer drei Formen der Finanzierung im Auge behalten.

Business-Angels sind Investoren, die auf persönlicher Ebene agieren. Sie fördern den Existenzgründer, verfügen jedoch in vielen Fällen nicht über eine größere Kapitaldecke wie andere Finanzierungsmodelle. Sie fühlen sich dem Projekt persönlich verbunden. Venture-Capital-Investoren sind firmengebundene oder institutionelle Geldgeber, öffentliche Fonds oder Fördermittel sowie Investmentfonds. Der Nachteil bei dieser Finanzierungsart ist die unpersönliche Investmentstrategie. Investoren von Venture Capital haben in der Regel eine große Anzahl von Finanzierungsprojekten in ihrem Portfolio. Ein persönlicher Bezug beziehungsweise ein präsentes Engagement vor Ort sind eher nicht die Regel. Venture-Capital-Geber werten ihre Projekte als Kapitalmehrungsmaschine. Bei der Menge ihrer Projekte tut es ihnen in der Regel nicht weh, wenn sich ein Startup als Flop erweist und sie ihr Geld verlieren. Dieser Verlust wird durch die Gewinne der anderen Investment-Projekte aufgefangen. So werden VC-Investoren bei aufkommenden Turbulenzen nicht davor zurückschrecken, dieses Investment so schnell wie möglich abzustoßen, selbst wenn die Bedingungen für den Existenzgründer eher negativ ausfallen. Die zuvor genannten Inkubatoren beinhalten Company-Builder und Accelerator-Programme. Sie verstehen sich als die goldene Mitte der Investoren-Szene. Das auf Beschleunigung aufgebaute Accelerator-Modell und das eher langfristig angelegte Company-Builder-Modell sind aufgrund des höheren Risikos und größeren Kapitalbedarfs für Gründer mit Erfahrung geeignet.

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